Buttersäure bei Steff Fischer

Wir haben uns vergangenen Samstag (2.Dezember) dazu entschlossen, bei einer der grossen Aufwertungsakteure Zürichs mit Buttersäure anzugreifen, nämlich bei der Fischer AG Immobilienmanagement. Wir haben uns aus verschiedenen Gründen für die Fischer AG an der Bäckerstrasse entschieden.

Steff Fischer als Chef der Firma spricht in den bürgerlichen Medien gerne über seine Vergangenheit als Hausbesetzer und Aktivist. Heute hat er die Barrikaden nicht nur verlassen, sondern die Seiten gewechselt. Er tut gerne so, als wäre er anders, netter oder cooler als die anderen Akteure der Immobilien-Branche und spielt mit seinem Image als ex-Besetzer. Doch ein Blick auf seine Projekte und Partner verdeutlicht, dass er ein genauso zentraler Akteur in den Aufwertung Zürichs ist, wie viele andere. Entsprechend hat man ihn nicht an seinem Auftritt, sondern an seinem Handeln zu beurteilen: Steff Fischer betreibt heute mit seiner Firma Klassenkampf von oben. Seine Verlogenheit hinsichtlich seiner Rolle in der Stadtentwicklung macht ihn erst recht zum Ziel.

Die Fischer AG kümmert sich um Projektentwicklungen, deren Bewirtschaftung, Vermittlung und Unterhalt sowie die Beratung von InvestorInnen. Dabei arbeiten sie unter anderem zusammen mit der UBS, Swiss Life, Wüest & Partner oder der Stiftung Abendrot, welche sich vor allem mit dem Neubau auf dem ehemals besetzten Binz-Areal einen Namen gemacht hat.

Ihr neuster und aktuellster Triumph ist der "Markt Lagerstrasse". Im Auftrag der SBB komplettierte Fischer mit seiner Firma den Prunkbau Europaallee. Das Erdgeschoss ist Resultat ihrer Projektentwicklung. Sie nennen es euphemistisch eine Schanier zwischen den Kreisen 4 und 5, der Europaallee und dem Hauptbahnhof.Wir nennen die Europaallee anders, nämlich einen Angriff auf das Leben im Quartier. Es ist eine Kritik, der sich Fischer schon stellen musste - ihr Markt sei nur ein Feigenblatt für ein Projekt, welches das Quartier nachhaltig verändern soll. Darauf erwiderte der Chef, dass sie lieber das Feigenblatt der SBB seien, als ein totes Quartier hinnehmen zu müssen.

Wir reihen diese Aktion in eine Serie von anderen ein, bei denen die Faust angesichts der Stadtaufwertung nicht im Sack blieb. Es gibt Handlungsmöglichkeiten gegen die Aufwertung, die Akteure und Profiteure dieses Prozesses haben Namen und Adressen. Siehe wiederum das Beispiel Europaallee: Während der Frauendemo am 11. März und kurz vor dem 1. Mai gab es Farbanschläge gegen diesen Koloss. Anfang September wurden die Scheiben beim Kosmos Kulturkomplex kurz nach der Ersteröffnung eingeschlagen. Dieser Komplex ist zugleich das Resultat einer Zusammenarbeit von Filmemacher Samir, Bruno Deckert und der Fischer AG Immobilienmanagement.

Militanz ist nicht nur legitim und notwendig, sie ist auch möglich. Sie ist eine, aber nicht die einzige Antwort auf die Aufwertung. Viel mehr geht es darum, die Vielfalt des revolutionären Widerstands mit all seinen Formen nicht gegeneinander, sondern in Verhältnis zueinander zu stellen und dementsprechend nach vorne zu entwickeln. Militante Aktionen gegen einzelne Akteure können erste Ausgangspunkte des Kampfes sein, dabei darf es aber nicht bleiben: Hinter der Aufwertung steht das Kapital. Daher müssen wir den Kampf gegen die Aufwertung und ihre Akteure immer in den antikapitalistischen Kampf einbinden. Weder reformistische Forderungen, noch einzelne Angriffe, sondern nur eine Revolution, die Zerschlagung des Kapitalismus, wird die Stadtentwicklung im Interesse der Herrschenden und Bonzen aufhalten! Greifen wir die Verantwortlichen und Profiteure der Aufwertung an! Greifen wir die Herrschenden und Verteidiger des Kapitalismus an!