Communiqué Dennerplatzfest gegen Aufwertung und Verdrängung

Heute haben wir unter dem Motto „solidarisieren, organisieren, kämpfen! Wir bleiben alle!“ den Platz beim Denner an der Langstrasse besetzt und ein Fest gegen Aufwertung und Verdrängung im Kreis 5 und dem Rest der Stadt organisiert. Neben Grill, Bar und Musik wurde über die verschiedenen Gesichter der Aufwertung informiert und diskutiert. Dabei ging es unter anderem um die Immobilienkultur Zürich AG im Kreis 4, um die Pseudoverdichtung von Wohnraum, um Aufwertung rund um die Rosengartenstrasse, um Greengentrification und um den Idaplatz. Höhepunkt des Festes war die Platztaufe. Mit der Anbringung der neuen Tafel haben wir ein Symbol für den solidarischen und kämpferischen Widerstand gegen die kapitalistische Stadtentwicklung gesetzt. Aus dem ehemaligen „Denner-Platz“ wird der „Wir bleiben alle“-Platz
Weitere Informationen unter: wir-bleiben-alle.ch

Aus «Denner-Platz» wird «Wir bleiben alle»-Platz

Der Kreis 5 hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Das ehemalige Industriequartier, das für die kapitalistischen Player lange als unattraktiv und nicht gewinnbringend galt, wurde vor ein paar Jahren neu entdeckt. Innert kurzer Zeit wurde aus diesem Brachland ein viel umkämpftes Investitionsparadies für die Profiteure der derzeitigen Immobilienschlacht. Die Viadukt-Bögen oder der Prime Tower zeigen uns eindeutig, was für Menschen in diesem Kreis künftig erwünscht sind, nämlich einkommensstarke Mieter*innen und Eigentümer*innen.

Doch diese Partizipation ist eine Farce.

Wie falsch gespielt wird, zeigt uns auch das Neubauprojekt der SBB-Immobilien an der Neugasse. Hier präsentiert sie sich zwar als Wohltäterin und bietet den Anwohner*innen mit Workshops und Hallengesprächen Mitbestimmung am Projekt an. Doch diese Partizipation ist eine Farce. So soll nur ein kleiner Teil der Wohnungen gemeinnützig werden und es zeigt sich, dass es der SBB nur um den maximalen Profit geht.

Diese Entwicklungen führen dazu, dass die Bewohner*innen aus dem Quartier verdrängt werden. Die Aufwertung der Langstrasse ist tagtäglich zu beobachten: Das alte Gewerbe muss den schicken Pop-Ups oder Grossverteilern weichen und die steigenden Mieten können sich nur noch gutverdienende Yuppies leisten. Wir sind heute auf dem «Denner-Platz», weil sich hier ein weiteres hässliches Gesicht der kapitalistischen Stadtentwicklung zeigt. Für Personen aus der Arbeiter*innenklasse und migrantische Personen hat es in der Langstrasse bald keinen Platz mehr. Sie «stören» und passen nicht in das Bild einer sauberen, jungen und hippen Stadt Zürich. Zur Aufwertung gehören schöne Plätze mit einladenden Sitzbänken. Nachdem in den 1980er- und 1990er-Jahren Pflastersteine und Sitzbänke systematisch aus dem Stadtbild entfernt wurden, werden sie heute überall dort wieder aufgestellt, wo die Nachbarschaft bereits dem zahlungskräftigeren Klientel entspricht.
Im Kreis 5 und rund um den «Denner-Platz» ist die alte Nachbarschaft aber noch nicht ganz ausgezogen. Der aufgehübschte Platz wird zum lauten und lebendigen Treffpunkt. Auf ihm wird gegessen, geschlafen, geraucht und getrunken – dies führt zu Reibung mit der Polizei und den neuen Anwohner*innen. Einige der Neuzuzüger*innen haben jüngst bei der Stadt interveniert, weil sie sich einen ruhigeren Platz wünschen. Konkret forderten sie, dass die Sitzbänke demontiert werden. Sie schlugen auch vor, dass der Denner verschwinden soll, ein Discounter, wo Menschen mit kleinem Portemonnaie einkaufen. So etwas passt nicht in den Bioalltag der Yuppies.
Den noch namenlosen «Denner-Platz» nennen wir deshalb «Wir bleiben alle»-Platz: Er soll ein Symbol sein für den solidarischen und kämpferischen Widerstand gegen die kapitalistische Stadtentwicklung.

Er soll ein Symbol sein für den solidarischen und kämpferischen Widerstand gegen die kapitalistische Stadtentwicklung.

Was können wir tun, um dem individualistischen Traum von Einfamilienhäusern in der Vorstadt und Leuchtturmprojekten im Zentrum etwas entgegen zu stellen? Wir können auf linke Projekte aufmerksam machen, wir können Häuser und Plätze besetzen, Auszugsboykotte und Mieter*innen-Streiks organisieren. Wir können uns treffen und austauschen. Wir können anecken und für eine Stadtentwicklung von unten kämpfen, für bezahlbare Wohnungen und gegen Aufwertung im Sinne der Profitmaximierung.

Wir werden auch dieses Quartier nicht aufgeben, wir lassen uns nicht verdrängen!
Wir bleiben alle!
 
Solidarisieren, Organisieren, Kämpfen!