Communiqué der Frauen*besetzung vom 26. Mai

Communiqué der Frauen*Besetzung über die aktuelle Situation und akute Bedrohung.

Am Dienstagmorgen, dem 9. Mai, haben wir das Haus an der Freiestrasse 134 besetzt. Wir sind eine Gruppe von Frauen* mit unterschiedlichen Hintergründen - die Idee eines selbstorganisierten Frauen*hauses vereint uns. Wir wollen einen lebendigen und farbigen Ort gestalten, wo wir queer-feministische Projekte verwirklichen können und einfach eine schöne Zeit zusammen haben. Dabei ist für uns der Versuch, uns von angelernten, patriarchalen Strukturen zu distanzieren, zentral. Es ist uns wichtig, eine Gegenkultur zu schaffen, die sich auf Frauen bezieht und in Bewegung ist. Denn das geschieht in dieser männerdominierten Welt sehr selten, und wenn, dann wird es meist diskreditiert, belächelt oder als Selbsthilfegruppe abgestempelt. Wir sind nicht zur Unterhaltung da, das ist kein Witzprojekt! Diese Kampfansage tut gut.

Die Immobilienfirma Interpool AG, der die Liegenschaft gehört, möchte uns bis Montag, 29. Mai, aus unserem neuen Zuhause vertreiben. Es sei eine Zwischennutzung geplant. Dies obwohl wir uns auf Verhandlungen mit ihnen eingelassen und ihnen Vorschläge unterbreitet haben, um „geordnete Verhältnisse“ nach ihrem Wunsch herzustellen (in Form eines Gebrauchsleihvertrags). Wir sind enttäuscht und wütend.

Denn eines ist klar: Wären wir nicht hier, würde das Haus viel länger leer stehen. Eine Zwischennutzung dient oft nur dem Zweck, Besetzungen zu vermeiden und dem Vorwurf zu entkommen, das Haus vergammeln zu lassen. Zwischennutzungen und deren ganze Branche wie beispielsweise die Interim AG entstehen nicht aus Goodwill für arme Student_innen, sondern schlagen Profit aus ihrem vermeintlich sozialen Angebot. Zudem haben Nutzer_innen dieser Zwischennutzungen keine echten Mietrechte. Den Immobilienhaien wie der Interpool AG kommt dieser vordergründig „gute Ruf“ von Zwischennutzungen gelegen. In einem E-Mail an uns präsentieren sie sich als Wohltäter_innen, wie folgendes Zitat belegt: „Studenten [sind] auf günstigen Wohnraum in räumlicher Nähe zur Universität angewiesen.“

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In den vergangenen zwei Wochen ergaben sich unzählige Begegnungen mit wohlgesinnten Bewohner_innen des Quartiers. Viele zeigen sich erfreut über unsere Initiative und unterstützen unsere Forderung nach selbstbestimmten Frauen*räumen. Sie sind alles andere als einverstanden mit den Bauplänen der Interpool AG und der Absichtserklärung, die sich auf deren Homepage finden lässt: „Wir halten Wohnbauten, Geschäftsliegenschaften und Hotels, welche jährlich einen stabilen Mietertrag generieren, sowie attraktive Entwicklungsobjekte. Bei unseren Neubauten stehen Lage, Ökologie und Qualität im Vordergrund.“ So fadenscheinig wie die geplante Zwischennutzung ist auch diese Absichtserklärung der Immofirma: Der Abriss von gut erhaltenen Häusern und die Ersetzung durch überteuerte, hässliche Neubauten nach Maximen der Profitsteigerung lässt Städte zu funktionalen Ordnungsmaschinen verkommen, die keinen Raum für wenig Verdienende, Kreativität und Selbstbestimmung lassen.

Durch die ungefragte Aneigung und Belebung leerstehenden Wohnraumes stellen wir Eigentum grundsätzlich in Frage. Wir wollen selbstbestimmte, feministische Alternativen zur kapitalistischen Stadtentwicklung leben. Aus diesem Grund kämpfen wir weiter.
Kommt vorbei am Montag dem 29. Mai und solidarisiert euch mit unserem Projekt oder schreibt eine E-Mail mit eurer Meinung an die Interpool AG (yves.meili@meili-unternehmungen.ch).

Queerfeministisch, freundlich aber widerspenstig!

Familie Kröte (fridakroete@gmx.ch)

P.S.

Das zweite Zitat ist der Website www.meili-unternehmungen.ch entnommen.