Der Landesstreik 1918: Der Weg in die Konfrontation

Am 9. November 1918 trat die Schweizer Arbeiter*innenschaft in den landesweiten Generalstreik. Der zweite Teil behandelt die angespannte internationale Lage anfangs November, die geplante Konterrevolution der Regierung und den Beginn des Landesstreiks: Den Proteststreik und den Zürcher Generalstreik.

Zusammenfassung des ersten Teils [1]

Die Schweiz blieb im Ersten Weltkrieg vom aktiven Kriegsgeschehen verschont, bzw. konnte sich durch Handel mit beiden Seiten raushalten. Während Landwirtschaft und Kriegsindustrie profitieren, ist es gerade die (arbeitende) Unterschicht, welche unter den Nebeneffekten des Kriegs leidet: massive Inflation, Militärdienst ohne Erwerbsausfallsentschädigung und politische Repression im Inneren. Anfangs wird in Europa im Kriegstaumel mit wenigen Monaten Krieg gerechnet, da sich gerade mit der weiterentwickelten Artillerie die Kriegsführung ändert. Doch genau dieser Fortschritt entpuppt sich als nicht endender Horror. Es folgen endlose Schützengrabenkämpfe ohne wirkliche Gebietsgewinne an der Westfront. Milionen werden verwundet, traumatisiert oder sterben.
In der Schweiz nehmen die Proteste mit der Kriegsdauer zu. Unter anderem weil sich viele Menschen aus den kriegsführenden Ländern in der Schweiz befinden, vor allem exilierte Linke. Im Februar 1918 wird das Oltener Aktionskommitee (OAK) als Bindeglied zwischen Sozialdemokratischer Partei Schweiz (SPS) und den Gewerkschaften gegründet und riss immer mehr Befehlsgewalt an sich. Angesichts der weiteren Teuerung hatte das OAK bereits zweimal mit Landesstreik gedroht. Besonders die Gewerkschaftsspitzen standen jedoch einem tatsächlichen Generalstreik skeptisch gegenüber, da sie diesen – berechtigterweise – als Kampfmittel betrachteten, welches den revolutionären Abweichler*innen Zuwachs bringen könnte. Zürich und dessen Gewerkschaftsbund, die Arbeiterunion, der sich zunehmend als revolutionär verstand, gerieten in den Fokus des Staates.

Erste Streikandrohungen

Die Konfrontation – der Landesstreik, welcher das Land fast in den Bürger*innenkrieg stürzte – kam nicht aus dem Nichts. Das OAK hatte bereits im April gegen eine massive Milchpreiserhöhung durch den Bundesrat protestiert. Schon damals wurde ein Generalstreik angedroht, für den Fall dass die Verordnung nicht bedingungslos zurückgezogen würde. Schliesslich stimmten OAK, Partei und Gewerkschaftsleitung jedoch einem faulen Kompromiss zu und ernteten Anfeindungen und Vorwürfe wegen Verrats an der Arbeiter*innenklasse. Ende Juli kam die zweite Generalstreikandrohung, sollte der Bundesrat nicht genügend auf 11 moderate Forderungen des OAKs eintreten. Es wurden konkrete Vorbereitungen für einen Landesstreik vorangetrieben, doch das OAK einigte sich mit dem Bundesrat. Der Graben zwischen OAK, dem noch gemässigteren und dem revolutionären Flügel der Arbeiter*innenbewegung klaffte immer mehr auf. Das OAK hatte viel Vertrauen verspielt. Mittlerweile entlud sich die Wut der Arbeiter*innen schweizweit immer mehr in Streiks, Sabotageakten, Krawallen und kleineren Unruhen. Die Arbeiter*innen drängten auf grössere Aktionen wie einen Generalstreik, doch das OAK wartete ab, bremste sogar.

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Mitglieder des Oltener Aktionskomittee vor den Landesstreikprozessen. Das OAK bestand fast nur aus Männern*

Der Staat rüstet sich

Währenddessen war die Gegenseite nicht untätig. Bundesrat und Militär gründeten im August ein Anti-Generalstreikkomitee, welches Gegenmassnahmen vorbereitete und vom Bundesrat absegnen liess. Dabei waren Vertreter des Polizei-, Militär- und Eisenbahndepartements. Viele Massnahmen, welche knapp vor und während des Landesstreiks verordnet und ausgeführt wurden, waren in diesem Komitee bereits detailliert geplant worden. Während das OAK in der Zwischenzeit seine Pläne für einen Landesstreik verstauben liess, arbeitete der Staat fleissig darauf hin, den Arbeiter*innen zuvorzukommen.

Ende September: Der Banken-Generalstreik in Zürich

Ende September 1918 schien der Krieg für die Mittelmächte immer aussichtsloser. Teile der Bevölkerung rief nach einem radikalen Wandel, besonders in Deutschland. Währenddessen traten am 30. September die Bankangestellten in Zürich in den Streik für mehr Lohn. Die Arbeiter*innenunion Zürichs entschied sich, unterstützend in den Generalstreik zu treten. Viele weitere Arbeiter*innen legten aus Solidarität die Arbeit nieder. Der Streik endete mit einem vollen Erfolg, da die Zürcher Regierung die Banken dazu gedrängt hatte, auf Verhandlungen einzugehen. Die Arbeiter*innen hatten gewonnen.

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Abstinenzbewegung
Schon damals war Drogen-, besonders Alkoholkonsum heftigst unter Aktivist*innen der Arbeiter*innenbewegung umstritten. Oftmals wurde Alkohol bei Arbeitskämpfen verboten, so auch am Generalstreik in Zürich.

November: Die Mittelmächte zerbrechen

Schon im September liess das Militär Deutschlands durchblicken, dass der Krieg aussichtslos und der Waffenstillstand auszuhandeln sei. Daraufhin nahmen die Unruhen in Deutschland zu, denn die Monarchie war offensichtlich gescheitert. Die angekündigte Demokratisierung des deutschen Reichs – das Zuckerbrot an die Bevölkerung – kam zu spät.

Ende Oktober überschlugen sich die Ereignisse in Deutschland. Trotz der angekündigten Waffenstillstandsverhandlungen sollte die Hochseeflotte anfang November ein letztes Mal gegen Grossbritannien ziehen. Doch die Matrosen wollten sich nicht für ein Himmelfahrtskommando hingeben, begannen zu meutern und schlossen sich mit den hungernden Arbeiter*innen zusammen. In Kürze traten die ersten Soldat*innen- und Arbeiter*innenräte zusammen und forderten Frieden, Brot und Mitbestimmung. Zwar hatte Deutschland bereits die Oktoberreformen eingeleitet, welche in eine demokratische Monarchie münden sollten, doch das reichte der Bevölkerung – im Gegensatz zur Spitze der Mehrheits-SPD (MSPD) und den Bürgerlichen – nicht. Die Bevölkerung forderte eine parlamentarische, wenn nicht gar eine sozialistische Räte-Republik. Kurzerhand breiteten sich anfangs November Unruhen und schliesslich die Revolution rasend über das kriegsmüde Land aus.

Während sich Deutschland vorerst noch als eine einheitliche Nation halten konnte, sah dies in der Habsburger Doppelmonarchie Österreich-Ungarn anders aus: Am 24. Oktober sagte sich Ungarn offiziell los, bis Ende Oktober folgten etliche andere Länder und Provinzen des späteren Jugoslawiens. Ende Oktober war der ehemalige Vielvölkerstaat Geschichte. Der Monarch regierte noch (kurz) über einen Rumpfstaat. Damit war jedoch auch Mitte November definitiv Schluss.

Die Töne werden härter

In der Paranoia, dass nach Österreich(-Ungarn) und Deutschland auch in der Schweiz die Revolution ausbrechen könnte, wurde die Arbeiter*innenbewegung zunehmends von einer speziell dafür gegründeten politischen Geheimpolizei überwacht. So entging auch nicht ein harmloser Aufruf für eine Feier anlässlich des Jahrestags der russischen Revolution. Die Sozialistische Presse verstieg sich im Aufruf zu folgenden Worten: „Schön rötet die nahende Revolution den Himmel über Zentraleuropa. Der erlösende Brand wird das ganze morsche, blutdurchtränkte Gebäude der kapitalistischen Welt erfassen“. Dies nahmen viele bürgerliche als Indiz, dass schon bald der Umsturz und die proletarische Revolution kommen würden. Die Bankiers von Zürich hatten schon im Zuge des Streiks des Bankenpersonals die Landesregierung aufgefordert, mit mehr Härte gegen die Arbeiter*innen vorzugehen.
Das Militär unter Ulrich Wille, einem ausgesprochenen Verehrer Preussens bzw. des deutschen Kaiserreichs, machte seinerseits Vorbereitungen für die gewalttätige Niederschlagung sämtlicher linker Regungen. Verschwörungstheorien über fremde Mächte besonders der Bolschewiki, welche die Arbeiter*innen leiten würden, vermischen sich bei Bürgerlichen mit dem Glauben an Autorität und dem Klassenkampf von oben. Wille wusste dies zu nutzen. Das drohende Kriegsende bedeutete auch eine anstehende Demobilisierung der Armee und ein Ende der diktatorischen Sonderbefugnisse von Bundesrat und Militär, wodurch sich die Armee angespornt sah, noch ein letztes Mal ihre Muskeln spielen zu lassen. Gerade das von Unruhen geschüttelte Zürich wurde in den Fokus genommen. Einerseits um ein Exempel an der Stadt zu statuieren, andererseits da die Arbeiter*innen dort noch am ehesten mit einer grundlegenden Revolution sympathisierten bzw. teilweise auch mit einem bewaffneten Konflikt wie in Russland liebäugelten.

Wille und das Militär preschen vor

Der autoritäre General Wille baute das Bild der „bolschewistischen Bedrohung“ auf, auch wenn er selbst nicht an Umsturzpläne glaubte. Willes Begehren einer militärischen Besetzung Zürichs wurden dreimal vom Bundesrat abgelehnt, auch vom Zürcher Regierungsrat selbst. Eine solche Provokation würde nicht gut enden, meinte der Regierungsrat. Wille zog darauf unter dem fadenscheinigem Grund „die Grenze zu verstärken“ ein Infanterieregiment von Zürich ab. Panisch ob ihrer Schutzlosigkeit rief nun die Kantonsregierung Zürich den Bundesrat an, ihr Truppenschutz zu gewähren. Wille hatte durch seine Intrige also doch noch seine militärische Besetzung Zürichs erreicht, welche am Mittwoch dem 6. November erfolgte. Als Platzkommandant Zürichs abgestellt wurde Emil Sonderegger, Mann harter Linie und späterer Nazi-Frontist. Er liess die Jahresfeier für die russische Revolution verbieten, stellte schweres Geschütz auf und bereitete das Militär auf bürgerkriegsähnliche Zustände vor. Gleichzeitig entmachteten Wille und Sonderegger den Regierungsrat und machten klar, dass das Militär nun für Recht und Ordnung zuständig sei, ohne Eingriffe durch die „demokratisch“ gewählte Regierung. Rekrutiert wurde die Armee aus staatstreuen Gebieten, vor allem den ländlichen und westschweizer Regionen [2] . Arbeiter*innen aus den Städten wurden aus Angst vor Meutereien wie in Deutschland nicht nach Zürich geschickt. Die Regierung hatte aus vergangenen Debakeln gelernt, bei denen lokale Militärs den Befehl verweigert hatten [3]. Das Truppenaufgebot für Zürich, welches 8‘000 Truppen umfasste, wurde zuerst von den Arbeiter*innen missverstanden; man dachte, es handle sich tatsächlich um Grenzverstärkungen gegen die anrollende Deutsche Revolution. Erst als das Militär am 6. November durch die Strassen zog, war klar, dass die Stadt gerade besetzt wurde. Für die eher revolutionäre Arbeiter*innenschaft in Zürich war nun die Zeit gekommen, ihre Pläne zum erneuten Generalstreik umzusetzen. Denn im Gegensatz zum OAK hatten sie diese Idee und deren Vorbereitungen in der Zwischenzeit nicht fallen gelassen. Leider hatte Wille bereits damit gerechnet bzw. wollte genau das erreichen: Die Arbeiter*innen zum Kampf herauslocken, bevor sich der Konflikt spontan – und somit für die Regierung unvorbereitet – entladen konnte.

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Militär auf dem Waisenhausplatz
Soldaten* auf dem Waisenhausplatz in Bern: Ein Tag nach Zürich folgte auch die Besetzung Berns. Doch der dortige Kommandant Wildbolz war weitaus weniger konfrontativ als Sonderegger in Zürich

Das Exempel von Zürich

Die Besetzung Zürichs war von Seiten des Militärs vor allem eines: eine abschreckende Machtdemonstration. Daran lassen die Befehle, welche General Ulrich Wille seinem Untergebenen Sonderegger erteilte, keine Zweifel übrig. Es ist die Rede von einer schwachen Stadt- und Kantonsregierung, welche zu lasch gegen die Revolutionär*innen vorgegangen sei. Dies ändere sich nun. Wille entschied sich dabei für starke Militärpräsenz: „Lassen Sie [Sonderegger] Ihre Truppen zum Beziehen der [Truppenunterkünfte] durch die Stadt ziehen, und zwar auf eine Art, die imponiert“. Weiter legte Wille nahe, alle „unruhigen Elemente“ präventiv festzunehmen [4] und erwägte auch, das Volkshaus zu besetzen und die Zeitung Volksrecht einzustampfen.
In Emil Sonderegger fand Wille einen Offizier, der seinen Hang zur preussischen Militärdiktatur, wie sie im Ersten Weltkrieg vorherrschte, teilte. Sondereggers Zeit in Zürich war geprägt von einschüchternden öffentlichen Aushängen à la ‚Arbeitende: macht einen falschen Schritt und ich stell euch alle an die Wand‘.

Aus Protest gegen die Mobilmachung der Armee verkündete das OAK am Abend der Zürcher Besetzung durch den Staat für den 9. November einen 24-stündigen Protestgeneralstreik. Gerade die Arbeiter*innenunion Zürichs störte sich an mehreren Punkten dieses Streiks: Er war zeitlich begrenzt, umfasste nur 19 Orte und war auf einen Samstag gelegt worden, also würde der Protest-“Streik“ vielerorts nur einen halben Tag dauern. Zudem waren die Zürcher Arbeiter*innen mehrheitlich der Meinung, dass die Zeit befristeter Streiks nun vorbei sei.

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Sondereggers Drohung
Original-Aushang in Zürich. Solche offenen Drohungen des Platzkommandanten Emil Sondereggers waren keine Seltenheit. Sonderegger selbst handelte jedoch ganz im Sinne des Generals Ulrich Wille.

9. November: Proteststreik und Novemberrevolution

Am Morgen des besagten 9. Novembers wurde der Kaiser Deutschlands abgesetzt und die Mehrheitssozialdemokrat*innen kamen an die Macht. Am Nachmittag rief die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD) um 16.00 Uhr mit Karl Liebknecht die Räterepublik aus. Um der USPD zuvorzukommen, rief die Mehrheitssozialdemokratie (MSPD) mit Scheidemann um 14.00 Uhr die parlamentarische Republik aus. Dies sehr zum Missfallen der Parteispitze der MSPD, da diese wie gesagt mit einer parlamentarischen Monarchie vollends zufrieden gewesen wäre und eigentlich keine alles umwälzende soziale Revolution wollte [5].

Am 9. November rollte also der eintätige Proteststreik in der Schweiz an. Angesetzt war er für 19 Industrieorte im ganzen Land, jedoch beteiligten sich daran grosse Teile Biels, Genfs, Lausannes und St. Gallens nicht. Dafür kam es zu spontanen Arbeitsniederlegungen in Thun, Wädenswil, St. Imier und Richterswil. In der Maschinen- und Metallarbeits-Industrie kam es zu einer Beteiligung von 70%.
In Zürich wurden auf Geheiss der Arbeiter*innenunion die lebenswichtigen Betriebe wie Elektrizitätswerke ausgelassen und unter Arbeiter*innenkontrolle gestellt. Es wurde ein generelles Alkoholverbot erteilt. Obschon der Tramverkehr tagsüber noch durch freiwillige Streikbrecher*innen anlief, stellte die Stadt diesen nach mehreren Tumulten wieder ein. Nebst dem Militär bildeten sich auch bürgerliche Abwehrkolonnen. Sonderegger betonte derweil, dass er vorhabe, für Recht und Ordnung zu sorgen. Und wenn es zu Toten kommen sollte, so sei dies die Schuld der Getöteten, nicht ihrer Mörder in Militäruniform. Gleichzeitig beschwerte er sich bei Wille, dass Wildbolz, der Platzkommandant von Bern, nicht mit gleicher Härte vorgegangen war.

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Die Räte übernehmen Berlin
Die Novemberrevolution fegt die deutsche Monarchie weg: Friedliche Übergabe einer Kaserne in Berlin an die Revolutionär*innen.

Zürich streikt weiter

Auch angefeuert von den sich ausbreitenden Revolutionen in ihrer Nähe erklärte die Arbeiter*innenunion in Zürich am Morgen des 10. November die unbefristete Fortsetzung des Generalstreiks. Gleichentags kam es zur verbotenen Feier der Oktoberrevolution: Trotz Verbot sammelten sich Zehntausende auf dem Frauenmünsterplatz. Soldaten schossen ohne Provokation in die Luft und auf den Boden, 4 Personen wurden durch Querschläger verletzt, ein Soldat wurde von bis heute unbekannter Seite erschossen, wahrscheinlich durch einen Querschläger. Darauf wurden die grossen Städte in einen kriegsähnlichen Belagerungszustand versetzt.

Der Generalstreik erfasste bald auch die Zürcher Eisenbahner*innen, Winterthur und Rapperswil. Die Kantonskartelle folgten kurz darauf. Die Streikbewegung wuchs und wuchs, und widersetzte sich so schleichend dem selbsternannten „obersten Organ der Arbeiter*innen“, dem OAK. Das OAK versuchte unterdessen auf Zürich einzuwirken, Man solle es doch beim eintätigen Proteststreik belassen. In dieser Situation wurde dem OAK klar, dass es die Kontrolle und Führung über die Streikbewegung zu verlieren drohte. Im Nordosten wurde das OAK als reaktionäre Kraft und teilweise als Verräter*innen verschrien, in der Romandie – welche sich grösstenteils eher der Entente und den Siegermächten nahe fühlte – wurde es als Agent Deutschlands gesehen.
Der Generalstreik in Zürich war ein klares Zeichen, dass Zürich das OAK nicht mehr als Führungsorgan anerkannte. Dem OAK dämmerte langsam, wenn es nicht mit der Ausrufung des Landesgeneralstreiks nachziehen würde, es der aufstrebenden linksradikalen Bewegung um Kommunist*innen, Anarchist*innen und anderen Sozialrevolutionären, das Feld überlassen würde. Die letzte Chance, die Kontrolle zu behalten, lag somit in der Ausrufung des landesweiten Generalstreiks.

Im 3. Teil wird es um den unbefristeten, und kurzen Landesgeneralstreik selbst gehen. Und auch darum, warum dieser ein grosses Fiasko für die Arbeiter*innenbewegung darstellte.

FAT
Freie Arbeiter*innen Union Bern

zuerst erschienen in di schwarzi Chatz #55 November/Dezember 2018.Hier herunterladen

Anmerkungen

[1siehe dazu di schwarzi Chatz #52 Mai/Juni 18

[2Die Romandie war später zwar auch beteiligt am Landesstreik, dies jedoch eher zögerlich. Die grosse Ablehnung der Romandie gründete auch darauf, dass manche im OAK entweder bolschewistische oder deutsche Agent*innen sahen, welche nun die Siegermächte ins Chaos stürzen wollten. Die Romandie fühlte sich grob gesagt durch die Nähe zu Frankreich eher den Entente-Mächten verbunden.

[3Zumindest der Bundesrat wusste das: Der Zürcher Regierungsrat hatte anfänglich gebeten, vorwiegend Zürcher Wehrpflichtige aufzubieten. Dies hätte für die Regierung fatale Meutereien bedeuten können. Denn schon beim Genfer Generalstreik 1902 meuterte ein Viertel der Soldaten, welche selbst aus Genf stammten.

[4Der Staat führte schon länger solche Verhaftungslisten für den Fall eines Landesstreiks oder Unruhen.

[5Schlimmer noch: Die MSPD schlug Hand in Hand mit den Bürgerlichen sämtliche fortschrittlichen Revolutionsversuche in Deutschland blutig nieder. So fiel auch die Münchner Räterepublik unter den Waffen der MSPD. Die MSPD scheute sich nicht davor, die Hilfe der rechtsextremen Milizen der Freikorps, den Vorläuferinnen der nazionalsozialistischen Sturmabteilung SA und weiteren faschistischen Banden anzunehmen.