Eine Frau und ihre Tochter wurden nach Griechenland zurückgeschickt

Ein Bericht einer Betroffenen gefunden auf und übersetzt von renverse.co

Ich lebte von 2005 bis August 2016 in Griechenland. Ich bin mit meiner 8-jährigen Tochter zusammen, die zur Schule geht. Ich musste nach einer Zwangsheirat aus meinem Land fliehen. Mein Mann hat mich vergewaltigt. Die Reise war schwierig. Ich lebte unter prekären Bedingungen in Beirut im Libanon, dann in Syrien, dann konnte ich Griechenland erreichen.
Dort begegnete ich jemandem und wir fanden uns zusammen. Er ist der Vater meiner Tochter. Am Anfang war es gut aber seit 2013 hat sich die Situation verschlechtert. Ich konnte keine Arbeit finden. Früher fand ich Arbeit als Haushälterin arbeitete, was uns half auszukommen. Mein Mann hatte auch keinen festen Job. Er fand ab und zu Gelegenheitsjobs durch den Tag gefunden. Er verdiente sehr wenig Geld als Autowäscher oder als touristischer Schmuckverkäufer auf den Strassen von Athen während des Sommers. Wir hatten nicht mehr genug, um die Miete von 150 Euro zu bezahlen, für unseren Teil in einer Wohnung, die wir mit anderen - einem Paar und zwei Singles - teilten. Wir hatten ein Zimmer für uns und teilten uns Küche und Bad. Im Winter hatten wir keine Heizung.
Manchmal ging uns das Geld aus und wir mussten die Wohnung verlassen. Wir landeten mehrmals mit unserer Tochter auf der Strasse und mussten in einem Park schlafen, bis mein Mann das benötigte Geld aufs Neue auftreiben konnte. Andere Male konnten wir ein paar Nächte in einer Kirche mit anderen Menschen verbringen. Für das Essen gingen wir zu einer Organisation, die einmal täglich Mahlzeiten verteilt. Essen ist in Griechenland billig. Unser Problem war die Miete. Von einem Tag auf den anderen konnten wir uns auf der Straße wiederfinden und diese Bedrohung wurde mehrfach wahr. Ausserdem hatten wir keine Krankenversicherung und keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Nach der Geburt unserer Tochter hatte ich zwei Fehlgeburten. Ich musste jeden Tag Spritzen nehmen, um die Schwangerschaft aufrechtzuerhalten, aber es war unmöglich, das Produkt zu kaufen, das 20 Euro pro Tag gekostet hätte. Für die medizinische Beratung und die Blutuntersuchung konnten wir nicht zahlen und es waren Landsleute in der protestantischen Kirche, die uns Geld gaben.
Wir hatten ein Aufenthaltsdokument, aber es lief im März 2017 aus. Wir hatten keinen Anspruch auf Sozialhilfe. Wir waren gezwungen, Griechenland zu verlassen, weil wussten wovon wir leben sollen. Wir wollten nicht mit unserem Kind auf der Strasse bleiben. Es ist sehr gefährlich für Frauen. Es gibt viele Vergewaltigungen und Zwangsprostitution unter Migrantinnen, die nicht Schutz bei einem Mann oder einer Familie finden.
 
Jetzt habe ich die Spur meines Mannes verloren. Er ging zuerst und versuchte, nach England zu gelangen. Er rief mich einmal aus Frankreich an und dann höhrte ich nichts mehr. Ich weiß nicht, wo er ist und ich habe ein Suchformular beim Roten Kreuz ausgefüllt, in der Hoffnung, ihn wiederzufinden. Ich bin seit fast zwei Jahren ihne Neuigkeiten von ihm.
Meine Tochter und ich kamen im August 2016 in die Schweiz. Das SEM hat im Dezember unsere Ausschaffung angeordnet. Es ist unmöglich für mich, dorthin zurückzukehren. Ich habe keine Unterstützung, keine Mittel zum Leben und der Staat hat uns nicht geholfen, als wir dort waren. Ich will mich nicht mit meiner Tochter auf der Strasse wiederfinden. Sie geht jetzt zur Schule. Sie spricht und liest Französisch. Ihr Platz ist hier.

Personen, die in Griechenland einen Status erhalten haben, werden auf der Grundlage bilateraler Rückübernahmeabkommen zwischen der Schweiz und Griechenland zurückgeführt, die im Gegensatz zu den Dubliner Abkommen keine Rückübernahmefrist vorsehen. Die Abschiebungsentscheidung des SEM erscheint somit unausweichlich und bringt die Antragstellerin und ihre Tochter in prekäre Lebensverhältnisse in der Schweiz, wo sie auf die vom EVAM verteilten Sachleistungen angewiesen sind, werden jeder wirtschaftlichen Autonomie beraubt und leben in der Angst, am frühen Morgen im Zentrum von EVAM von einem Bataillon uniformierter Polizisten brutal verhaftet zu werden, die bewaffnet sind und damit beauftragt werden, sie gewaltsam nach Athen zu eskortieren, wo sie dann auf eigene Faust Schutz, Nahrung und Transport ihrer Habseligkeiten finden müssen.

Es erscheint uns unfassbar, dass eine Frau und ihre achtjährige Tochter nach Griechenland zurückgeschickt werden, wo es allgemein bekannt und dokumentiert ist, dass Ausländer, denen es nicht gelingt, die Mittel zum Leben zu erhalten, auf sich allein gestellt bleiben und keine Sozialhilfe erhalten. Diese Situation schafft ein Klima der Straßengewalt und das Auftreten von Mafien verschiedener Nationalitäten, die von Verheimlichung, Erpressung, Erpressung von Mitgliedern ihrer eigenen Gemeinschaft und Zwangsprostitution von Frauen ohne familiäre Unterstützung leben.