Eine kurdische Journalistin ist im Flughafen Zürich inhaftiert

Hülya Emeç, eine kurdische Journalistin, sitzt seit dem 15. Januar 2018 im Knast des Flughafens Zürich.

Der türkische Staat führt seit 2009 einen Prozess gegen Hülya Emeç, eine Reporterin der im 2016 geschlossenen Nachrichtenagentur Dicle (DIHA), wegen angeblicher Mitgliedschaft einer terroristischen Vereinigung. Am 9. Oktober 2017 wurde sie zu einer Strafe von 7 Jahren und 6 Monaten verurteilt. Davor arbeitete sie für die Nachrichtenagentur Firat (ANF) und den Fernsehsender Van TV. Andere Prozesse an türkischen Gerichten gegen Hülya, wegen verschiedensten Artikel, sind momentan noch am laufen.

Nachdem das Gericht Hülya Emeç zu einer Haftstrafe verurteilt hatte, sah sie sich aufgrund ihrer persönlichen Sicherheit gezwungen aus der Türkei zu flüchten. Unter diesen schwierigen Umständen floh sie zuerst nach Peru, wo sie auch im Knast landete. Nachdem sie dort frei kam, überquerte sie illegal die Grenze zu Brasilien und lebte in Sao Paulo mehrere Tage auf der Strasse. Sie kaufte sich dann ein Ticket für einen Flug in die Türkei, der einen Zwischenstop in Zürich machte. Dort wollte sie ohne Visa den Flughafen verlassen, doch die Zürcher Polizei erlangte Kenntins von den Plänen Hülyas in die Schweiz einzureisen und versuchten sie in die Türkei zurück zu schicken. So wurde sie erneut inhaftiert, wobei sie die Polizei direkt informierte, dass sie Asyl beantragen will. Doch die Bullen gaben ihr lediglich ein Formular zum Unterzeichnen, damit sie sie ausschaffen können. Sie verlangte dieses Formular in kurdischer Sprache, was sie auch bekam, und schrieb darauf "Ich bin Journalistin, und habe einen offenen Haftbefehl in der Türkei. Deswegen möchte ich in die Schweiz migrieren." Die Cops schrien sie an, weshalb sie das geschrieben habe, und sie antwortete, dass sie einreisen wolle. Sie akzeptierten ihren Asylantrag nur, weil ihre Anwält*innen am Flughafen angerufen haben.

Seit einer Woche befindet sich Hülya nun schon im Knast, ohne Telefon, und jeglicher Kontakt zu Menschen draussen ist ihr untersagt, selbst zu ihren Anwält*innen.

Asylsuchende, die über schweizer Flughäfen einreisen wollten, sind einen Monat im jeweiligen Flughafen eingesperrt, ohne raus zu dürfen. Normalerweise in den Asylverfahren können die Menschen von 8:30h bis 18h raus.

Hülya wollte vor dem Knast fliehen, doch jetzt befindet sie sich in der Schweiz wieder unter freiheitsentziehenden Massnahmen.

Dass Menschen ihren Fall kennen, sowie es noch hunderte andere solche Fälle gibt, kann sie vor möglichen willkürlichen Entscheidungen schützen.

Hülya Emeç - Nachtrag vom 25. Januar 2018

Ihre Verurteilung wurde vom Berufungsgericht bestätigt.
Sie beantragte am 15. Januar Asyl. Seither sitzt sie immer noch im Knast im Flughafen. Sie kam nach Zürich via Brasilien. Nur mithilfe ihrer Anwält*innen wurde ihr Asylantrag angenommen. Ihr Handy wurde beschlagnahmt. Sie kann nur sehr eingeschränkt mit der Aussenwelt kommunizieren. Sie reichte eine schrifltiche Begründung ein, warum sie gefährdet ist, doch trotzdem wurde das Ausschaffungsgesuch gestern Mittwoch, den 24. Januar, angenommen. Ihre Anwält*innen reichten bei den schweizer Autoritäten Beschwerde ein. Diese erteilten ihr weitere fünf Tage, welche jedoch nur einen rein administrative Zweck hätten und dass sie nach Brasilien ausgeschafft werden würde, da dies ein "sicheres Land" sei. Jedoch würde sie von dort aus direkt in die Türkei ausgeschafft werden.
Journalist*innen und Unterstützer*innenorganisitionen, Gewerkschaften... sind zur Solidarität aufgefordert.

P.S.

Übersetzt von renverse.co
Originaltext von kedistan.net