Ereignisse mit rechtsextremem Hintergrund in Basel

Sommer 2018. In Basel trugen sich innerhalb kurzer Zeit einige sehr besorgniserregende Ereignisse mit klarem rechtsextremen Hintergrund zu, welche wir als antifaschistische, emanzipierte, politische Bewegung unmöglich hinnehmen noch ignorieren wollen.
Damit alle den gleichen Wissensstand haben und damit wir uns dagegen organisieren können haben wir die Vorfälle der letzten Wochen zusammengetragen und uns mit den betroffenen Freund*innen getroffen.

Die Vorfälle tragen ein ungewöhnlich hohe Gewaltbereitschaft in sich, welche für Basel neuartig ist. Jahrelang blieb es gefühlt ruhig um rechtsextreme Gewalt auf den Strassen von Basel - es ist nun klar, dass sich dies innerhalb kurzer Zeit geändert hat. Ohne Angst oder Panik verbreiten zu wollen finden wir es trotzdem wichtig, über die Häufung solcher Vorfälle zu informieren. So kann es auf keinen Fall weiter gehen.

Gleichzeitig wollen wir damit zu einem Austausch anstossen, damit wir uns, unseren Freund*innen und Betroffenen bestmöglich zur Seite stehen können. Uns ist es ein Anliegen, dass sich möglichst viele Gruppen an diesem Prozess beteiligen. Denn gemeint durch diese Angriffe und Drohungen sind wir alle. Es braucht ernstgemeinte Vorschläge, wie wir dem als Bewegung begegnen können.

Freitag, 11. Mai um 01:00 Uhr - Angriff vor einem kollektiv geführten Lokal

In der Nacht vom 11. auf den 12. Mai kam es vor einem kollektiv geführten Lokal in Basel zu einer Auseinandersetzung zwischen Freund*innen und drei dem rechtsextremen Umfeld zuzuordnenden Männern.
Vor der Auseinandersetzung bestellten die Angreifer in diesem Lokal Bier und verliessen es daraufhin. Kurz darauf kehrten sie zurück. Auf dem Weg wurden sie von vor dem Lokal sitzenden Freund*innen nach einem Feuerzeug gefragt, woraufhin die späteren Angreifer „No fire for antifascists“ erwiderten. Unsere Freund*innen nahmen dies nicht so hin und liessen sich auf eine Diskussion ein. Die Konfrontation wurde heftiger und die Angreifer wurden aufgefordert den Ort umgehend zu verlassen. Als sie dieser Forderung nicht folgten, bemerkten unsere Freund*innen die leeren Flaschen in den Händen der Angreifer und wollten sich von diesen entfernen, da eine Eskalation absehbar war. Einer der Angreifer warf daraufhin eine Flasche, welche nur durch Glück und schnelle Reaktion den Kopf unseres Freundes nicht traf. Die zwei anderen Angreifer folgten dem Beispiel des Ersten mit noch heftigeren und gezielteren Würfen. Leider wurde der Angriff von den sich im Lokal befindenden Freund*innen zu spät bemerkt und die Angreifer konnten fliehen. Nur durch Zufall kam es nicht zu schwereren Verletzungen.
Die Täter sprachen Französisch und sind wahrscheinlich einer rechtsextremen Gruppierung aus dem grenznahen Elsass zuzuordnen. Nach Einschätzung von Zeug*innen waren die Täter um die dreissig Jahre alt, kleideten sich sportlich und nicht weiter auffällig.

Samstag, 19.Mai um 04:15 Uhr - versuchte schwere Körperverletzung aus rassistischen und homophoben Motiven

Auf der Höhe Tramstation Grosspeter vernahm ein junger, sich auf dem Heimweg befindender Mann laute homophobe Äusserungen einer Gruppe erwachsener Männer.

Als er diesen entgegnete, dass diese Äusserungen inakzeptabel seinen, wurde ihm schwarz vor den Augen – Niedergeschlagen, wahrscheinlich mit einem Schlaggegenstand, und zusätzlichen starken Schlägen/Tritten gegen den Rücken. Als er nach einiger Zeit wieder zu sich kommt, fehlt ihm - stark blutend an der Schläfe - jegliche Erinnerung des Vorfalls. Etliche Blessuren im Gesicht zeichnen ihn noch Tage später von dem Angriff. Es ist von Glück zu sprechen, dass der junge Mann keine bleibenden Schäden davongetragen hat.
Soweit wir erfahren konnten geht es ihm den Umständen entsprechend körperlich gut.

Samstag, 2. Juni 2018 um 21:00 Uhr - Bedrohung und versuchter Angriff in der Innenstadt mit rechtsextremen Motiven

Auf der Höhe Schlüsselberg bedrohten fünf junge erwachsene Rechtsextreme drei Jugendliche zwischen 15 und 19 Jahren.

Erkannt als „politische Feinde“ aufgrund von Bekleidung mit politischen Symbolen wurden diese angeschrien, beleidigt sowie aufgefordert stehen zu bleiben. Die Rechtsextremen vermummten sich umgehend, rannten los und bedrohten die Jugendlichen. Überrascht vom Angriff versuchten diese zu fliehen. Als die zwei weiblichen Jugendlichen von den Angreifern eingeholt wurden, kam es zu Wortgefechten. Die Angreifer hatten sich inzwischen mit Bauzaunlatten bewaffnet.

Sie liessen von den jungen Frauen ab und verfolgten stattdessen den Jugendlichen, auf den sie wohl den Fokus gelegt haben. Als dieser mit weiteren Personen von einer nahegelegen politischen Veranstaltung gegen Wohnungsnot auf dem Marktplatz mit Verstärkung zurückkehrte, waren die Angreifer verschwunden.

Drohungen von jugendlichen Rechtsextremen auf dem Marktplatz 2. Juni ca. 22.30h, am selben Tag ein paar Stunden später nach dem versuchten Angriff in der Innenstadt.

Auf dem Marktplatz fand eine politische Aktion statt, die auf Wohnungsnot und Verdrängung aufmerksam machte – dies in Form eines Sleep-In mit Zelten, Schlafsäcken und Transparenten. Dort tauchte eine Gruppe Jugendlicher, bestehend aus etwa zehn Personen auf. Aus dieser Gruppe präsentierte sich Einer schon zu Beginn als Wortführer und suchte zunächst verbal die Konfrontation mit den Teilnehmer*innen der laufenden Veranstaltung. Offensichtlich hielt er Teilnehmer*innen für Mitglieder der Antifa, seine Aversion dagegen war hör- und spürbar.

Von den insgesamt zehn Personen fielen vier sofort durch klar rechtsextreme Äusserungen auf, exemplarisch durch ihren ideologisch untermauerten Hass auf Geflüchtete zu sehen. Das Alter der Personen wurde auf etwa 17 bis maximal 21 Jahre geschätzt, die Meisten davon eher am jüngeren Ende. Sie wurden als recht sportlich beschrieben. Einige wurden zudem als aktive Rechtsextreme der Basler Szene erkannt.

Der Wortführer führte aus, er hasse die Antifa und wolle diese politische Aktion deshalb mit Gewalt beenden. Die Rechtsextremen gaben zu verstehen, sich mit Mitgliedern der Antifa prügeln wollen und gaben auch an, an der am selbigen Abend stattgefunden Bedrohung in der Innenstadt (wie oben geschildert) dabei gewesen zu sein, die räumlich keine 500 Meter davon entfernt stattgefunden hatte.

Als auf die mehrfache Provokation hin sich zu prügeln nicht eingegangen wurde, entfernte sich die Gruppe vom Platz. Der Wortführer zögerte, beschädigte noch ein Zelt und eine Fahne und rannte dann davon.

Nicht alle der Zehnergruppe hiessen ihr Verhalten gut: Einige, die sich nicht geäussert hatten, kamen später zurück und meinten, ihre nun rechtsextremen Freunde hätten sich im letzten halben Jahr stark verändert - Sie wissen nicht, was mit Ihnen los sei.

Schlusswort

Initiativen zur Organisierung werden in absehbarer Zeit vorgeschlagen werden. Organisiert euch. Organisieren wir uns. Handelt. Vernetzt euch, wehrt euch und unterstützt bestehende antifaschistische Initiativen und Organisationen. Meldet unbedingt Vorfälle an oat-bs@riseup.net.
Kein Fussbreit den Rassist*innen.