Fabrikool: Too Kool To Sell

Was wird aus der alten Schreinerei auf dem Von Roll – Areal, die dem Kanton gehört? Eine Stimme aus dem Länggass-Quartier.

Die alte Schreinerei Muesmatt auf dem Areal der Uni Von Roll im hinteren Länggass-Quartier gehört seit 2000 dem Kanton Bern. Sie ist denkmalgeschützt. Ihre Baufälligkeit sieht man ihr an. 2011 forderte ein Vorstoss aus dem Grossen Rat sogar den Abriss des Gebäudes – ohne Erfolg.

Im Februar 2017 wurde das Gebäude durch das Kollektiv Fabrikool besetzt. Die jungen Leute mit handwerklichen Fähigkeiten wollten das Haus selber renovieren, weil der Kanton als Besitzer untätig bleibe. Das kam für den Kanton aus Sicherheitsbedenken nicht in Frage. Es wurde der Antrag auf Hausräumung gestellt.

Inzwischen war klar geworden, dass die Fabrikool das besetzte Gebäude für Projekte nutzen wollte, «die ohne Konsumzwang, Profitorientierung oder Leistungsdruck funktionieren». Konkret wurde das realisiert in einwöchigen Programmen mit den Angeboten Mittagessen für alle, Mäntigsbar, Kino, Kinderprogrammen, Geschichtenerzählabenden etc. Bewusst wurden die QuartierbewohnerInnen einbezogen, durch Flugblätter informiert. Sie beteiligten sich und die Älteren konnten erzählen von ihrem Leben im sich verändernden Quartier.

Die Hausräumung wurde nicht vollzogen. In Verhandlungen zwischen dem Kanton und Fabrikool konnte man sich auf eine Zwischennutzung einigen, die vertraglich geregelt, bis Ende Juli 2017 befristet und dann mehrmals verlängert wurde. Fabrikool wurde verpflichtet, die Auflagen des Brandschutzes zu beachten und eine Versicherung zur Deckung allfälliger Schäden abzuschliessen. Die ZwischennutzerInnen erklärten sich bereit, kleinere Investitionen vorzunehmen. Ihr Einsatz war beachtlich. Böden wurden renoviert, Fenster gezimmert und isoliert. Man kann von einem Engagement mit Herzblut sprechen.

Fabrikool sammelte auch Ideen für eine dauerhafte Nutzung des alten Gebäudes. Dazu wurden alle auf der zur Pinnwand umfunktionierten Eingangswand aufgefordert.

Nach einem Jahr der Besetzung – an einer Hauswand schreibt Fabrikool den Slogan «Besetzt voller Ideen» – entschied sich das kantonale Amt für Gebäude und Grundstücke, die alte Schreinerei öffentlich auszuschreiben und im Baurecht abzugeben. Es waren zwei Konzepte eingegangen, wie das leerstehende Haus genutzt werden könnte. Den symbolischen Kaufpreis von Fr. 1.— könnte die Gruppe Fabrikool aufbringen, aber nicht die zur Renovation erforderlichen hohen Kosten und den Baurechtszins von Fr. 36’000.—pro Jahr.

VertreterInnen des Kantons würdigten bei einer öffentlichen Besichtigung mit potenziellen Käufern ausdrücklich das Engagement von Fabrikool. Viele AnwohnerInnen in der hinteren Länggasse haben grosse Sympathie für die jungen Leute. Sie wünschen, dass ihre Ideen berücksichtigt werden und sie auch eine Chance bekommen, die alte Schreinerei zu übernehmen.

Denn es ist die Gruppe Fabrikool, die mit ihrem Engagement Leben und Farbe in das alte Haus und das Quartier gebracht hat. Wir hoffen, dass aus der alten Schreinerei Muesmatt ein schönes Gebäude wird, das auf Dauer eine sinnvolle Nutzung finden wird und dem Quartier dient.

P.S.

Von Heinrich A. Meyer-Reichenau, Gefunden im Journal-B

Das Kollektiv barrikade.info empfiehlt die Nutzung des Gender*sternchens. In der Dominanz der männlichen grammatikalischen Form über die weibliche sehen wir einen latenten Sexismus, der sich in der Sprache manifestiert. Durch das Stern*chen entsteht Platz für alle Gender.