Farbe statt Werbung!

Werbungen, Werbungen, Werbungen
Wir begegnen Werbungen überall: Sie zieren Aussenwände wie auch Innenwände öffentliche Orte (wie bespielweise Universitäten, Bahnhöfe, öffentliche Verkehrsmittel…), wir finden sie in unseren echten und digitalen Briefkästen, sie füllen Pausen zwischen zwei Liedern im Radio, in Filmpausen im Kino und Fernsehen sowie auf jeder Internetseite. Schätzungen gehen davon aus, dass ein Mensch im Durchschnitt ungefähr 5‘000 – 10‘000 Werbebotschaften am Tag ausgesetzt ist. Bei Personen, die Gebrauch von öffentlichen Verkehrsmitteln und digitalen Medien machen, steigt die Anzahl der Werbebotschaften.

„Von ihren zahllosen Widersprüchen und vielfältigen Nebenwirkungen soll hier die Rede sein. Zwischen ihrem Allgegenwärtigsein und der Belanglosigkeit ihrer Botschaften. Zwischen der massenhaften Einpflanzung von Werbesymbolen und – slogans ins öffentliche Bewusstsein und der Veränderung nichtkommerzieller Inhalte. Die Werbebranche nutzt Gedanken und Gefühle der gesamten Bevölkerung zur unbegrenzten und lizenzfreien Ausbeutung, Bearbeitung und Veränderung. Die Gehirne beschlagnahmt sie als Depots, in denen Werbebotschaften und innere Bilder auf Abruf gespeichert werden.“ - Die Werbelawine. Angriff auf unser Bewußtsein – von Ulrich Eicke

Was sind Werbungen überhaupt?
Als Werbung wird die Verbreitung von Informationen in der Öffentlichkeit oder an ausgesuchte Zielgruppen verstanden. Das Ziel ist die Bekanntmachung, Verkaufsförderung oder Imagepflege von meist gewinnorientierten Unternehmen bzw. deren Produkten und Dienstleistungen, selten auch für unentgeltliche, nicht gewinnorientierte Dienste oder Informationen. Werbung dient als Impuls, Anpreisung, Anregung, Stimulation oder Suggestion, um eine spezifische Handlung, ein gewisses Gefühl oder einen bestimmten Gedanken beim Menschen anzuregen. Sie dient sowohl der gezielten und bewussten als auch der indirekten und unbewussten Beeinflussung des Menschen zu meist kommerziellen Zwecken. Werbung spricht bewusste und unbewusste Bedürfnisse an oder erzeugt neue. Durch die modernen Medien wurden die Möglichkeiten der Werbung vielschichtiger, komplexer und dadurch teilweise kaum erkennbar (beispielweise in der Produktplatzierung oder im Sponsoring).

Problematiken aus unserer Sicht
Die Beeinflussung der Werbung, nicht nur auf unsere Kauf- und Wahlentscheidungen, sondern auch auf unsere Weltanschauungen, empfinden wir als fragwürdig.
- Werbeflut: Wie kann mensch sich heute noch der Werbung entziehen, die uns überschwemmt?
- Manipulation: Die Überflutung hat einen grossen Einfluss auf unsere Meinungsbildung. Je häufiger mensch einen Inhalt sieht, desto stärker bleibt dieser in unserem Bewusstsein. Werbungen zeigen uns, wie das eigene Leben aussähe, wenn wir genau dieses Produkt kaufen würden. Es ist erwiesen, dass rund 85% unserer (Kauf- und Wahl-)Entscheidungen unterbewusst getroffen werden.
- Kapitalismus: Wer Geld hat, kann es sich leisten zu werben und so die Meinungen erkaufen. Zur Veranschaulichung: Im Jahr 2016 belief sich der Netto-Werbeumsatz in der Schweiz auf rund 5,6 Milliarden Schweizer Franken (neuere Zahlen sind unbekannt, wir können von einer steigenden Tendenz ausgehen).
- Personalisierte Werbung: Indem mensch sich online gewisse Dinge ansieht und kauft, können massgeschneiderte Werbungen entwickelt werden. Zum Beispiel sei die Firma Cambridge Analytica durch die Analyse von Facebook-Likes in der Lage, ein exaktes Charakterprofil aller Nutzer*innen zu erstellen (durch die Analyse von ca. 300 Likes kann das Verhalten einer Person eindeutiger vorhergesagt werden als durch deren Partner*innen).
- White-Washing: Die Werbebranche setzt noch immer in den meisten Fällen auf Menschen mit heller Hautfarbe, was schlichtweg nicht die Realität abbildet. So wird die Heterogenität der Gesellschaft vernachlässigt.
- Unrealistische Schönheitsideale: In Werbungen werden Frauen und Männer fast ausschliesslich mit makellosen Gesichtern und Figuren gezeigt, wodurch stereotypische Bilder der beiden Geschlechter entstehen. Dies erzeugt den Druck, auch so aussehen zu müssen wie die dargestellten Menschen.
- Binäres Denken: Wie oben erwähnt, werden fast ausschliesslich Frauen und Männer mit stereotypischen Merkmalen repräsentiert. Menschen, die sich keinem dieser beiden Geschlechter zugehörig fühlen, werden ausgeschlossen. Gleichzeitig werden traditionelle Geschlechterrollen aufrechterhalten und reproduziert.
- Sich weiterziehende Rollenbilder: in der Werbebranche wird noch immer das Bild einer Familie bestehend aus Mann, Frau und zwei Kindern aufrecht erhalten. Homosexuelle Elternpaare, alleinerziehende Eltern oder andere Familienkonzepte werden nicht berücksichtigt.

Stell dir nun eine Gesellschaft vor mit mehr Farbe statt Werbung
Die Wände sind bunt, keine Slogans zieren die Wände mit Bildern, welche dir erzählen, wie „Mensch“ zu leben und zu sein hat. Eine Gesellschaft, in der sich der Freiheitsbegriff nicht auf deine Kaufentscheidungen und somit auf das dir zur Verfügung stehende Budget beschränkt. Eine Umgebung, wo du dir frei von Einflüssen deine Meinung bilden und dich mit Fakten und objektiven Texten über Thematiken informieren kannst.

An dieser Stelle ist es nun an dir, weiterzudenken