Feiern wir in der Rue du Marché 42!

Seit einigen Wochen prangen an den Wänden von Genf mysteriöse gelbe Aufkleber, die ein aussergewöhnliches neues Jahr ankünden.

Hier sind wir: Ab 1 Uhr morgens feierten wir in der 42 rue du Marché, 1204 Genf.

Wir haben uns von diesem tristen Stadtzentrum und der tödlichen Logik des Marktes losgerissen, an einen Ort des Feierns, der zu uns passt.

Update:

Erinnerung: Wenn ihr jemanden kennt, der verhaftet wurde, meldet bitte, dass die Person wieder freigelassen wurde an antirep-ge@riseup.net - oder auch wenn sie nach 24 Stunden immer noch eingesperrt ist.

02:23 Hundert Polizisten hier mit einem Wasserwerfer. Ungefähr hundert Menschen, die im Inneren eingesperrt sind. Könnte langweilig werden. Kommt zahlreich um die Leute drinnen zu unterstützen, aber passt auf euch auf! ACAB!

02:36 Die Cops überprüfen die Identität und wollen ein paar Leute zum Bahnhof bringen. Der Wasserwerfer kommt näher.

02:52 Draussen ist es im Moment ziemlich ruhig, obwohl die Wasserwerfer sich bewegen, ohne zu schiessen. Die Bullen filmen vom Dach aus. Wenn ihr zur Unterstützung herkommt, vermummt euch. Es sind immer 60 bis 70 Personen drin!

03:21 keine besonderen Vorkommnisse

04:05 Uhr: Im Inneren lassen die Bullen Leute gehen, indem sie sie zwingen, ihre Identität preiszugeben. Sie werden durchsucht, gefesselt und in Kastenwagen verladen.

Ausserhalb organisieren sich solidarische Menschen selbst und machen Krach, bilden improvisierte Barrikaden auf dem Molard-Platz. Der Wasserwerfer hat einmal seine Sirene eingeschaltet.

05:45 Uhr: Die Menschen sind immernoch im Inneren eingesperrt. Die Bullen lassen nur diejenigen frei, die ihre Identität preisgeben. Die anderen weigern sich und halten sich im Sit-in-Modus fest. Jede Unterstützung ist willkommen! Solidarität mit Silvesterfeierlichkeiten!

11:09 Uhr: Niemand mehr in der 42 rue du Marché. Die meisten Festgenommenen kamen nach einer Kontrolle aus der Polizeistation La Gravière.

Ende der anti-rep. Achtung, die Nummer nimmt keine Anrufe mehr entgegen. Wenn ihr oder jemand, von dem ihr wisst, dass er von der Polizei kontrolliert und/oder verletzt wurde, wenden euch an die Genfer Anti-Repressionsgruppe: antirep-ge.@riseup.net

Eine detaillierte Überprüfung der Strafverfolgung wird in Kürze folgen. Inzwischen gibt es entgegen den Behauptungen der herrschenden Presse mehrere Verletzte durch die Polizei und mindestens zwei Krankenhausaufenthalte.

Danke an renverse.co für das Öffnen dieses Informations-Feeds.


In dieser Zeit des hektischen und beängstigenden Konsums während der Weihnachtszeit wird das wahre Gesicht des Kapitalismus noch deutlicher sichtbar. Die Arbeitnehmer*innen, bei denen nach immer mehr Flexibilität gefragt ist, sind an ihre Grenzen gestossen: befristete und prekäre Arbeitsplätze, verlängerte Arbeitszeiten, Sonntagsarbeit, erhöhter Stress usw.

Und das mit dem Ziel eine Innenstadt zu erschaffen, die das Einkaufen als einzig gültige Freizeitbeschäftigung sieht. Wir wollen kein Leben, in dem man am Stadtrand leben muss, Zeit mit dem Transport zur Arbeit verschwenden muss und in dem das einzig spassige das Ausgeben des Arbeitlohnes sein soll.

Also haben wir diesen Ort eingenommen, der diese Logik symbolisiert, die wir ablehnen und haben darin über Nacht unsere eigene Praxis und Wünsche gelebt:

  • Räume besetzen und Wege des Zusammenlebens und Zusammenwohnens erfinden, Räume schaffen ausserhalb von entfremdenden kommerziellen Kreisläufen.
  • Solidarität schmieden, um gegen alle Systeme der Unterdrückung zu kämpfen.
  • Unsere Logik sowie die Räume, in denen sie willkommen ist, verteidigen.
  • Orte erschaffen in denen wir frei von Immobilienspekulation und Behörden wohnen können.
  • Tanzen um zu tanzen

Unsere Resolutionen werden unsere Kämpfe sein, wir sind entschlossen!

Bis bald auf neuen Abenteuer!