Keine Räumung ohne Folgen

In Solidarität mit den Freiburger Besetzungen wurde die Fassade der Klarastraße 17 vergangene Nacht mit den Worten ’dieses Haus war besetzt und wurde geräumt’, ’wer räumt bekommt Ärger’ und ’Leerstand bekämpfen’ neu beschrieben. Auch die im Dezember besetzte und geräumte Guntramstraße 44 hat neue Markierungen bekommen um sichtbar zu machen dass dort ein Haus leer steht. Wir wollen Räumungen nicht unkommentiert lassen. Ein solches Vorgehen darf nicht im Stadtbild und im Blick der Öffentlichkeit untergehen.
Die Gentrifizierung schreitet an allen Ecken voran, Immobilienfirmen und Mietfische spekulieren mit Wohnraum und erzeugen gewollten Leerstand. Gleichzeitig können sich Menschen die steigenden Mieten nicht mehr leisten und werden aus den Vierteln vertrieben. Räumung heißt das Interesse von Eigentümer*innen wird über das Interesse und das Wohl aller gesetzt. Diese Logik und Politik durch Besetzung sichtbar zu machen und anzugreifen ist kein Verbrechen sondern eine Notwendigkeit.

Am 7. März ließ Michael Stock, Vermieter und Eigentümer des Immobilienunternehmens DiMiSto-Verwaltungs GmbH, die Besetzung in der Klarastraße 17 von Hundertschaften räumen. Kurz darauf überstrich Michael Stock das mit Ideen, Träumen und Leben bestickerte und bemalte Haus eigenhändig mit Einheitsfarbe. Der klägliche Versuch die Fassade zu wahren.
Doch weder verlorene Sympathie in der Nachbarschaft, noch der unhaltbare Zustand, dass ein Haus in bester Lage Freiburgs leer steht, lassen sich so leicht retouchieren und aus der Erinnerung Freiburgs streichen.
Räumungen bleiben nicht unsichtbar, Räumungen lassen sich einfach überstreichen und in die Umgebung einpassen als wäre nichts passiert.

Klarastraße 17

Die Klarastraße 17 war einige Tage lang von der Gruppe ’die WG - Wohnraum gestalten’ neu bewohnt und mit Leben gefüllt worden. Im Erdgeschoss entstand das Café ’Alles Klara?’, das sich schnell zu einem Treffpunkt für Unterstützer*innen, Nachbar*innenschaft und Interessierte entwickelte. Ein buntes Programm aus Workshops, Konzerten, Vorträgen, Küfa oder einfach gemütliches Kuchen essen machte diesen Freiraum zu einem Anziehungspunkt und belebte das ganze Viertel.
Auf das Kaufangebot der Besetzer*innen ging Michael Stock nicht ein, scheinbar war er nicht an einer einvernehmlichen Lösung, sondern wesentlich mehr an den eigenen Profiten interessiert und ließ das Haus am Donnerstag Morgen räumen.
Am gleichen Tag wurde auch die Mozartstraße 3 geräumt. Das Haus stand jahre lang leer und wird wohl auch nach der Räumung weiterhin dem Leerstand ausgesetzt sein. Das Haus wurde für kurze Zeit besetzt und war unter anderem durch ein Gemüsebeet im Garten zu neuem Leben erwacht.

Guntramstraße 44

Im gleichen Viertel liegt auch die Guntramstraße 44. Das Haus wurde letzten Dezember besetzt und für einige entspannte Stunden zu einem Ort der Diskussion und des Austausches über die unhaltbare Wohnungssituation in Freiburg. Bertram Feil, der Eigentümer hatte die ehemaligen Mieter*innen mit Eigenbedarfsanmeldung aus dem Haus geschmissen und auch vor terrorisierenden Methoden wie die Kameraüberwachung von Teilen des Hauses, den Ausbau der Gasheizung im Winter und das willküriche Abschalten von Internet und Strom nicht zurückgeschreckt.
Die Besetzung wurde innerhalb eines Tages mit 40 behelmten und beschildeten Polizist*innen mit Hunden, ohne vorherige Kontaktaufnahme geräumt. Dabei wurden die Menschen vor dem Haus durch Tritte, Schubser und Würgegriffe aus dem Weg geschafft und 8 Menschen kurzzeitig festgenommen.

Aber Räumungen sind nur der Anfang neuer Besetzungen.
’Die WG’ ruft zu bunten und lauten Protesten gegen die Wohnungspolitik und die Räumungen besetzter Häuser auf und lädt ein zur
Tag X + 2 Demo, heute Samstag, 9.03. um 18:00 auf dem Stühlinger Kirchplatz.

Mehr Infos zu den Besetzungen unter: https://diewg.noblogs.org/

Räumung bleibt nicht unkommentiert! Wer räumt bekommt Ärger!

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