Klimastreik - Eine Bewegung für alle?

Am 14. Dezember fand der erste Klimastreik in Zürich statt, eine Woche später folgten Kundgebungen in zahlreichen weiteren Städten der Schweiz. An einem nationalen Treffen, für das sich jede*r anmelden konnte, wurde über die Weihnachtsferien dann beschlossen, wie diese Bewegung innerhalb der Schweiz weiterorganisiert werden soll. Es entstand ein vorübergehendes nationales OK, viele kleinere regionale Komitees und Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen. Die Bewegung soll für alle offen sein. Aber wer ist überhaupt “alle” und was bringt dieser Begriff mit sich?

„Alle“ bedeutet in diesem Fall so viel wie jede Person, die sich durch die momentane Lage der Klimapolitik betroffen fühlt – egal welcher politischen Ausrichtung, welchen Alters oder welcher Nationalität. Doch genau diese Diversität bringt natürlich auch viele Hürden mit sich. Wenn verschiedene Meinungen und Ideologien aufeinandertreffen, müssen teils schwierige Diskussionen geführt werden. Natürlich kann das den eigenen Horizont erweitern, braucht aber auch sehr viel Energie und gegenseitiges Verständnis.

Die Bewegung hat am offenen, nationalen Treffen basisdemokratisch folgende Forderungen ausgearbeitet:
- Der nationale Klimanotstand soll ausgerufen werden.
- 2030 sollen von der Schweiz netto 0 Emissionen ausgestossen werden.
- Falls diese Forderungen im momentanen System nicht erfüllt werden können, muss es einen Systemwandel geben.

Dadurch wird diese Bewegung auch für verschiedene revolutionäre und autonome Gruppen interessant. So wurden beispielsweise in Bern schon vermehrt antikapitalistische und antifaschistische Parolen gehört und Personen wahrgenommen, welche revolutionäre Ideen mit eingebracht haben.

Dabei sollte nicht in Vergessenheit geraten, dass die Bewegung nicht direkt einen Systemwandel voraussieht und vor allem für alle zugänglich sein will. In erster Linie geht es nicht um den Sturz des Kapitalismus, sondern um die Klimaproblematik. Auch wenn diese Dinge zusammenhängen, ist es wichtig, dass die Klimastreik-Bewegung nicht mit dem allgemeinen Kampf für eine Revolution zusammenfällt, da die Bewegung sonst nicht mehr für alle zugänglich wäre und nur noch die Menschen anziehen würde, welche von einer so radikalen Grundstimmung nicht abgeschreckt werden. Natürlich sind viele Teilnehmer*innen nicht nur unzufrieden mit der momentanen Klimapolitik, sondern auch mit dem Systemwesen an sich. Wenn die Bewegung aber breiter werden will, dann sollten auch diese Menschen erst zu antikapitalistischen Parolen greifen, wenn die bedingungslose Forderung für einen Systemwechsel beim nationalen Treffen basisdemokratisch bestimmt wurde.

Die Klimastreik-Bewegung will aus verschiedenen, diversen Individuen bestehen, die nicht gegeneinander, sondern miteinander für ein gemeinsames Ziel arbeiten. Die Organisation findet deshalb möglichst dezentral und basisdemokratisch statt. Wenn versucht wird eine Bewegung als progressiv und tolerant aufzubauen, dann sollten die Menschen, die diese Bewegung und deren Strategie kritisieren und verändern wollen, sich an der Organisation beteiligen, statt eine zweite Front zu bilden. Gerade als Masse differenzierter Einzelpersonen besitzen wir eine unglaubliche Macht. Weder Individuen, noch Gruppen oder Organisationen sollten sich deshalb über die Entschiede der nationalen und regionalen Gruppen hinwegsetzen. Alle Beschlüsse beruhen auf einstimmigem Konsens und alle Menschen dürfen an die Treffen kommen und mitbestimmen. Eine Handlung gegen diese Abmachungen wäre also ein „Verrat“ der Basisdemokratie. Wer also daran interessiert ist mitzureden, kann gerne ans nationale Treffen kommen(https://goo.gl/forms/AMLogOvr1QBnGiE02) oder bei der regionalen Organisation mithelfen(https://climatestrike.ch/regionalgruppen-2/).

Strategisch gesehen ist es auch aus antikapitalistischer Sicht besser, das Verlangen nach Revolution im Rahmen der Klimastreiks noch nicht laut heraus zu schreien. Denn diejenigen, welche den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Kapitalismus noch nicht verstanden haben(und das sind viele), werden von radikalen Parolen schnell abgeschreckt – auch wenn diese vielleicht berechtigt sind. Ausserdem würde die Bewegung dann sofort wieder in eine linksextreme Ecke abgeschoben und verlöre ihren guten Ruf. Momentan ist sie nämlich sehr beliebt und hat das Potential, zu wachsen und die Jugend massenhaft zu politisieren. Diese Streiks ziehen viele Menschen an, die noch nie an Demos waren und sich sonst nicht politisch engagieren. Es ist also sinnvoller so zu handeln, dass die Bewegung für alle zugänglich wirkt, weiterhin wächst, so viel Kraft hat und für die gemeinsamen Forderungen einstehen kann. Wenn diese dann im Kapitalismus nicht umsetzbar sind (was anzunehmen ist), dann wird sich zu einem späteren Zeitpunkt die ganze Bewegung gegen den Kapitalismus stellen - und das von sich aus.

Diese Bewegung könnte der Anfang von etwas grösserem sein, aber dafür muss, auch wenn es viel Zeit und Energie kostet, zusammengearbeitet werden und dafür gesorgt, dass sich möglichst viele Menschen angesprochen und nicht abgeschreckt fühlen.

Solidarische Grüsse - drei Schüler*innen