März – Angriff auf “Haus der Europäischen Union”

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Das Gebäude der Europäischen Union wurde in Solidarität mit Leyla Güven and dem Hungerstreik, den sie am 7. November 2018 begann angegriffen. Seit 123 Tagen ist Leyla Güven im Hungerstreik und ist mit ernsthaften gesundheitlichen Konsequenzen deswegen konfrontiert. Mit ihrem starken Willen gegen Faschismus zu kämpfen, inspirierte sie nicht nur uns, sondern auch eine Menge Leute, die sich dem Hungerstreik anschlossen haben. Momentan wird dieser Kampf von hunderten Leuten in den Gefängnissen der Türkei und darüber hinaus ausgetragen, wie sogar kommerzielle Zeitungen berichten. Daher entschieden wir uns als eine feministische Aktion für den 8. März, unsere Solidarität mit Leyla Güven und allen anderen Menschen auszudrücken, die einen entschlossenen Kampf gegen Faschismus und Patriarchat führen. Das ist der Grund, aus dem wir das “Haus der Europäischen Union” mit roten Farbbomben angriffen und “Leyla Güven” beim Eingang in der Wipplingerstrasse sprühten. Ganz klar war diese Aktion ein Beitrag zum internationalen Tag der feministischen Befreiung.

Die kurdische Bewegung, von der Leyla Güven ein Teil ist, setzt, aufgrund ihrer Entschiedenheit, ein Beispiel darin, was es heißen kann, radikal zu kämpfen und dies als einen Lebensweg zu betrachten. Wir ziehen Stärke und Inspiration von diesem Geist. Besonders die starke Frauen-Organisierung innerhalb der Kurdischen Bewegung, die darauf abzielt das Patriarchat mit seinen vielköpfigen Erscheinungsformen zu bekämpfen, ist eine Bewegung von der wir lernen wollen. Mit Überzeugung stimmen wir in die Erklärung von Leyla Güven ein: Widerstand heißt Leben! Die Europäischen Staaten reagieren auf diese Bewegung mit starker Repression oder Ignoranz. Viele Leute aus den kurdischen Reihen sind mit langen Haftstrafen in europäischen Gefängnissen konfrontiert. Ein Aktivist zündetete sich vor einem Monat vor einem Gericht in Deutschland selbst an, um den Hungerstreik zu unterstützen und gegen die Repression des deutschen Staates zu protestieren.

Ganz sicher gibt es noch zahlreiche weitere Argumente als unsere Solidarität mit dem Hungerstreik, die in eine direkte Aktion gegen die Repräsentat*innen der EU münden könnten. Hier ist eine Auswahl unserer Gedanken und Gründe wegen derer wir ihre Wände verschönerten (und uns dabei die Hände schmutzig machten).

Uns wird übel von all den faschistischen Lügen und Europäischen Politiken, die vorgeben, ein menschliches Gesicht zu haben und ihre Ignoranz mit anti-muslimischen Rassismus und anderem Bullshit verdecken. Der Unterschied zwischen der Europäischen Union und dem Faschismus in der Türkei ist kein bedeutender. Europäer*innen sollen sich als Bürger*innen identifizieren, die von liberalen, demokratischen Regierungen beherrscht werden und ihr Eigentum, die Gesetze und Moral beschützen. Dass dieses liberale Ideal Europäischer Staaten einen brutalen Krieg gegen viele Menschen bedeutet, war in den letzten Jahrhunderten immer wieder sehr klar und wurde nun in den letzten Jahren erneut sichtbar. Nicht-weiße Menschen und Migrant*innen werden als Sündenböcke benutzt, um sie für die Auswirkungen kapitalistischer Politik verantwortlich zu machen, die jedoch den ökonomischen Wohlstand von den Privilegierten und Einflussreichen beschützt. Wenn jetzt in den letzten Jahrzehnten die liberale in eine neoliberale Gesellschaft verwandelt wird, wird die Brutalität auch für mehr und mehr Menschen mit europäischer Staatsbürgerschaft spürbar. Aber Faschismus wurde nicht nach Europa importiert, Faschismus hat seine Wurzeln tief innerhalb der Europäischen Nationalstaaten und wächst täglich vor unseren Augen und innerhalb unserer täglichen Beziehungen – genau wie der Kapitalismus.

Während wir versuchen, uns über Wasser zu halten, sind viele bereits gestorben – tot aufgrund der grenzenlosen Ausbeutung oder des Europäischen Grenzregimes. Wir wollen diesen Krieg loswerden, der unterhalb des alltäglichen Wirtschaftens tobt. Wir sind überzeugt davon, dass wir uns von konkurrenzhaften Beziehungen befreien können, wenn wir bereit sind, die sozialen Verhältnisse zu verändern und auf Vertrauen basierende Gemeinschaften aufzubauen, in denen Überschüsse mit allen geteilt werden. Die Zerstörung jedes sozialen Vertrages – wie gesagt wird, dass wir unser Leben leben sollen – ist ein Kampf für den wir streiten, weil wir weder die Rollen der Unterdrückten noch die der Unterdrücker anstreben. Für den 8. März ist alles was wir fordern, eine revolutionäre Bewegung, die Patriarchat, Faschismus und Kapitalismus überwinden will. Wenn das für dich zu viel ist, mein*e demokratische*r Freund*in, dann müssen wir diese schönen Fassaden angreifen, alles Make-Up entfernden und Blut auf deine hässliche Maske spucken bis sie bricht.

Solidarität geht an alle Feminist*innen, die ebenfalls draußen unterwegs waren vor zwei Tagen, jede Straftat von der wir hörten bereitete uns ein Lächeln. Wir fühlen uns immer noch inspiriert von diesen zahlreichen kleinen und großen Aktionen die stattfanden, daher hoffen wir dass unsere Aktion auch einen Teil der Stärke die wir bekamen zurück geben kann.

Wir senden sehr herzliche Grüße an die LGBTIQ-Bewegung in der Türkei, besonders an all jene, die im Gefängnis sind und konstant weiter kämpfen. Wir wollen euch wissen lassen, dass ihr nicht vergessen seid! Und an alle andere wollen wir ausrichten, dass wir immer weiter Kriminelle, die gegen das heterosexistische Patriarchat aufstehen, unterstützen werden, genauso wie wir selbst weiter gegen die Kriminalisierung unserer Leben kämpfen.

Gegen Ausbeutung und alle Arten von Herrschaft!

Feminismus heißt vollständige Befreiung!

Vienna: 8th of March – Attack against “Haus der Europaeischen Union”

The building of European Union was attacked in solidarity with Leyla Guven and the hungerstrike that she started on 7th November 2018. Since 123 days Leyla Guven is on hungerstrike and therefore facing serious health consequences. With her strong will to fight against fascism, she inspired not only us, but lots of people who then joined the hungerstrike. Right now, this struggle of hundreds of people is also taking place inside several prisons in turkey and beyond, as even commercial newspapers report. So as a feminist action for the 8th of March, we decided to show our solidarity with Leyla Guven and all other people pursuing a committed struggle against facism and patriarchy. That’s why we attacked the “Haus der Europaeischen Union” with red color bombs and sprayed “Leyla Guven” at the entrance in Wipplingerstrasse. Clearly this action was a contribution to the international day of feminist liberation.

The Kurdish struggle, which Leyla Guven is part of, is, through their determination, setting an example of what it can mean to fight radically and to see this as a full way of living. We take strength and inspiration from their spirit. Especially the strong women’s organizing inside the Kurdish movement, that aims at smashing patriarchy in its manyheaded forms, is a movement we want to learn from. With dedication we are joining the declaration made by Leyla Guven: Resistance means life! The European states however react to this movement with strong repression or ignorance. Many people from the Kurdish movement are facing long prison sentences in European prisons. An activist burned himself in front of a court in Germany one month ago to support the hungerstrike and to protest against the repression of the German state.

Sure, there are many more arguments than the solidarity with the hungerstrike that could evolve into a direct action against the representatives of the European Union. Here is a selection of our thoughts and reasons why we were making their walls more beautiful (and our hands dirty).

We are sick of all fascist lies and the European policies that pretend to have a human face and are covering up their ignorance with anti-muslim racism and other bullshit. The difference between the European union and fascism in turkey is not a significant one. Europeans should identify as citizens ruled by liberal democratic governments and protect their property, laws and morals. That this liberal ideal of European states means a brutal war against a lot of people was clear in the last centuries and became very open again in the last years. Non-white people and migrants are used as scapegoats to blame them for the effects of the cruel capitalist politics that is safeguarding the economic wealth of those in power. When now in the last decade the liberal is turning into a full neoliberal society, the brutality is getting more obvious also for people with European citizenship. But fascism has not been imported to Europe, fascism has its roots deeply inside the European nation states and is growing everyday in front of us and even within our daily relationships – as capitalism does.

While we still try to make a living, many are already dead - dead because of limitless exploitation or the European border regime. We want to get rid of this war that lies beneath the everyday businesses. We are convinced by the idea that we can liberate ourselves from competitive relationships if we are willing to transform the social conditions and build communities based on trust where recourses are shared with everybody. The destruction of every social contract – how we were told to live our lives – is a struggle that we are fighting for, because neither the roles of the oppressed nor of the oppressors are what we are aiming at staying or becoming. For the 8th of March everything that we are asking for is a revolutionary movement to overcome patriarchy, fascism and capitalism. If this is too much for you my democratic friend then we have to attack these beautiful facades, remove all make up and spit blood on your ugly mask until it cracks.

Solidarity goes to all feminists that were out there two days ago, every crime that we heard about made us smile. We still feel inspired by all these numerous small and big actions that took place, so we hope our participation can give some strength that we gained back to you.

We send warm greetings to the LGBTIQ movement in turkey and especially to all those who are imprisoned and constantly fighting. We want to let you know that you are not forgotten! And to everybody else we want to say that we will always support criminals that stand against the heterosexist patriarchy as we are ourselves fighting against the criminalization of our lives.

Against exploitation and all kinds of domination!

Feminism means total liberation!

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