Mehr als nur ein „Brotaufstand“- zu den Protesten im Sudan

„Freiheit, Frieden, Gleichheit und Revolution – unsere einzige Möglichkeit!“ war die meist gehörte Parole in den letzten 3 Wochen bei Protesten im Sudan.

(Dieser Artikel wurde am 12.1.19 auf der IWW JAM Seite gefunden: https://www.facebook.com/IWWJAM/)

Seit dem 19. Dezember 2018 gehen die Menschen auf die Strasse und protestieren nicht nur gegen den massiv erhöhten Brotpreis (welcher jetzt wieder zurück erkämpft wurde), sondern vor allem gegen die Regierung – die Muslimbruderschaft, die seit 30 Jahren an der Macht ist.

Über 50 Protestierende wurden getötet und mehr als 1000 politisch Aktive verhaftet. Inzwischen hat der Präsident die Erhöhung des Brotpreises rückgängig gemacht. Trotzdem wird die Bewegung immer grösser, jeden Tag schliessen sich neue Städte der Protestbewegung an. Denn: sie wollen die Errichtung eines neuen und demokratischen Gesellschaftssystems. Nun haben sich über 50 Gewerkschaften, Parteien, feministische Gruppierungen, Rebell*innen und Student*innen zu der „S.P.A- Sudanese Professionals Association“ zusammen-geschlossen. S.P.A. klingt im Englischen richtig fad – der originale arabische Name benennt die Bewegung treffender. Die Stärke der S.P.A. besteht daraus, dass sich die unterschiedlichsten Menschen demokratisch organisieren.

Die Protestbewegung ging in Athbarah von den zwei grössten Gewerkschaften im Sudan aus – die der Eisenbahnarbeiter*innen und Bauern. Bereits ein Monat vor den grossen Protesten, haben die Gewerkschafter*innen gestreikt. Sie haben ihre Arbeit verweigert, worauf viele von der Polizei verhaftet wurden. Als der Arbeitgeber mit ihnen verhandeln wollte, haben sie gefordert, dass zuerst die Gefangen freigelassen wurden müssen – was bis heute nicht geschehen ist.

Kurzer Rückblick in die Geschichte: die ersten Gewerkschaften Afrikas sind anfangs 20. Jahrhundert entstanden, unter anderem in Ägypten, Algerien, Kongo, Südafrika, Kenia – eben auch im Sudan. Um nur ein paar Meilensteine in der sudanesischen Gewerkschaftsgeschichte zu nennen: 1908 gab es den ersten organisierten Streik der Förster*innen gegen die Kolonialist*innen, 1934 haben sie sich verschiedene kulturelle Zentren erkämpft und sich 1948 gegen das Gesetz, dass Gewerkschaften eine Bewilligung brauchen, gewehrt. 1949 hat die erste grosse Versammlung mit allen Gewerkschaften stattgefunden. Seit der Machtübernahme der Muslimbruderschaft vor 30 Jahren sind die Gewerkschaften und die Kommunistische Partei verboten. Die Muslimbruderschaft hat darum sogar selber eine neue Gewerkschaft errichtet. Gerade deswegen gehen die Menschen im Sudan heute auf die Strasse.

Entgegen dem europäischen Stillschweigen solidarisiert sich die IWW JAM laut mit den Protestierenden im Sudan. Auf dass die Solidarität weiter um sich greift, die Emanzipation der S.P.A. voranschreitet und durch politische Bildung eine nachhaltige Bewegung entsteht. Ganz im Sinne der IWW: mehr als nur ein Brotaufstand! Ein Angriff auf eine*n ist ein Angriff auf alle.

Ein Sudan für alle – und bald eine Welt für alle!