Nazis morden und der Staat schaut zu

In sächsischen Plauen sind zwei Punks bei einem Brandanschlag gestorben. Ein weiterer Mann wurde schwer verletzt. Plauen ist eine Nazihochburg und zwei Tage vorher gab es eine Kundgebung vom "III. Weg", die zum "Widerstand" aufrief. Im letzten Jahr gab es wahrscheinlich vier Brandanschläge gegen Roma, Geflüchtete und Punks.

Die Bewohner*innen des Hauses hatten wenige Tage vor dem tödlichen Anschlag drei Männer bei einem Versuch erwischt und vertrieben. Sie meldete den Anschlagsversuch der Polizei. Die ignoriert das einfach und nahm keine Ermittlungen auf. Die Romafamilien waren neu in das Haus eingezogen, denn ihre letzte Unterkunft wurde bei einem Brandanschlag im Dezember zerstört, 19 Menschen wurden damals verletzt. Zwei jugendliche Helfer berichteten damals, dass sie gefragt wurden, warum sie helfen - man solle die Leute doch verbrennen lassen.

Es brennt in Deutschland und es wird kalt, sehr kalt.

Wir fordern, dass der Doppelmord und die ganze Anschlagsserie aufgeklärt werden!

Update: Nun hat die Polizei einen Tatverdächtigen ermittelt, der Grund seien "persönliche Streitigkeiten". Die anderen Brände sind weiterhin nicht aufgeklärt und es könnte auch sein, dass sich der Tatverdacht erneut nicht bestätigt. An den Ereignissen in Plauen gilt es dranzubleiben.

Am Morgen des 5. Februar starben in Plauen zwei Personen beim Brand eines Wohnhauses. Ein Mann und eine Frau, deutsche Staatsangehörige. Vier weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Betroffen war die Dachgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses in der Dürerstraße. Die Menschen in den darunterliegenden Wohnungen konnten sich retten. In dem Haus in der Dürerstraße waren 6 deutsche Staatsangehörige gemeldet und 30 Personen mit anderen Staatsangehörigkeiten. Zum Zeitpunkt des Brandes hielten sich nach Aussagen eines Ersthelfers womöglich noch mehr Leute in dem Haus auf.
Viele der BewohnerInnen waren erst seit kurzem in das Haus gezogen. Und zwar deshalb, weil ihr voriges Wohnhaus, wenige Straßen weiter in der Trockentalstraße, kurz zuvor, am 29. Dezember 2017, ebenfalls durch einen Brand unbewohnbar geworden war. Schon zuvor hatte es dort laut dem Verein Romano Sumnal Brände gegegeben. In der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember wurden von den mindestens 40 BewohnerInnen 19 verletzt, darunter 8 Kinder. Mit schweren Brandverletzungen wurden eine schwangere 29-jährige Frau und ihr zweijähriger Sohn sowie ein fünfjähriges Kind und eine 39-jährige Frau in eine Spezialklinik eingeliefert. Bei den BewohnerInnen handelte es sich vor allem um Roma aus der Slowakei und aus Rumänien. Während des Brandes halfen einige Anwohner und Passanten. Zwei Jugendliche Helfer berichteten jedoch, dass sie gefragt wurden, warum sie helfen - man solle die Leute doch verbrennen lassen. Ein Anwohner habe „Sieg Heil“ gerufen. Feuerwehrleute sollen bei den Rettungsarbeiten angegriffen worden sein. Einen rassistischen Hintergrund schloss die Polizei jedoch bald aus. Verdächtigt wurde zunächst ein ehemaliger Bewohner des Hauses, der mit dem Vermieter Streit gehabt haben soll. Mangels Beweisen wurde er aber wieder freigelassen. Nach dem Umzug in die Dürerstraße hatten die ehemaligen BewohnerInnen der Trockentalstr. 86 Angst vor weiteren Anschlägen. Mitte Januar überraschten HausbewohnerInnen im Keller drei Männer, die mit einer weißen Flasche hantierten und nach ihrer Entdeckung wegliefen. Die hinzugerufene Polizei sah jedoch keine Hinweise auf Brandstiftung und habe keine verdächtigen Personen angetroffen. Hm, die Männer waren ja weggelaufen. Derweil wurden die BewohnerInnen des betroffenen Hauses auch noch Opfer von Anfeindungen und Unterstellungen mit den üblichen antiziganistischen Untertönen. Nicht nur von ihrer Armut und den schlechten Wohnverhältnissen, sondern auch von Ruhestörungen, Müll und Verschmutzung, Kindeswohlgefährdung war da die Rede. Es gab Anwohnerbeschwerden und Polizeieinsätze. Romano Sumnal - ein Verein für Roma in Sachsen mit Sitz in Leipzig - hatte sich mit einem offenen Brief an den Landrat, den Oberbürgermeister von Plauen und an die Öffentlichkeit gewandt und forderte: „sich gegen Rechte Taten und Äußerungen zu stellen; die Ermittlungsarbeit mit allen Mitteln zu unterstützen und zu befördern; die Betroffen zu schützen, zu versorgen und weiteren Anschlägen präventiv entgegen zu wirken.“ Romano Sumnal betreut auch die Überlebenden der Brandanschläge und sammelt dafür Spenden. Wir haben den 1. Vorsitzenden von Romano Sumnal, Gjulner Sejdi, um eine kurze Stellungnahme gebeten. Er war am Tag nach dem letzten Anschlag in Plauen und hatte mit Betroffenen gesprochen.

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P.S.

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