Nicht nur die Jagd ist scheisse....

Letzten Samstag, 3. Februar 2018, fand in Thun eine Demonstration gegen den alljährlichen Jagd- und Pelztrophäenmarkt statt. Dazu aufgerufen haben unter anderem "Aktivismus für Tierrechte". Auch ein revolutionärer Block war an der kleinen Demonstration dabei. Mit etwa 100 Leuten liefen wir vom Waisenhausplatz in Richtung Messegelände los.

Während dem Umzug wurden Flyer verteilt und Kleber geklebt. Die Demo bahnte sich ihren Weg über Trottoirs und Fussgängerstreifen, die Strassen wurden kaum genommen. An der Absperrung zum Messegelände wurde ein Theater vorgespielt, anschliessend gab es diverse Reden. Eine Rede die mir besonders geblieben ist handelte davon, dass wir den Wald wie einen souveränen Staat behandeln und anschauen sollen und die Tiere darin die "rechtmässigen" Bürger*innen sind. Deshalb sollen wir dem Wald gegenüber Respekt zeigen, uns höflich benehmen und nicht einfach eintreten. Dieser Vergleich ist in verschiedenen Punkten reaktionär und diskriminierend. Durch die Staaten werden viele Unterdrückungs- und Diskriminierungformen reproduziert und erhalten. Staatliche Organe wenden Repression an um unter anderem gegen nicht konformes Verhalten, Proteste oder gegen Menschen die laut ihnen keinen legalen Aufenthaltsstatus haben vorzugehen. Mauern werden gebaut um die privilegierten und ausbeuterischen Staaten für alle anderen unerreichbar zu machen. Währenddessen profitieren genau diese durch die Ausbeutung und der Armut der anderen Staaten und derer Bevölkerung. Würde ich einen Wald behandeln wie ein Staat, würde das bedeuten, dass ich gegen ihn ankämpfe, und das will ich nicht.
Es ist wichtig, dass die Kämpfe gegen Tierausbeutung stets verbunden sind mit anderen emanzipatorischen Bewegungen und diese sich gegenseitig unterstützen und ergänzen, anstatt sich gegeneinander auszuspielen und solche haarsträubende Vergleiche aufzustellen.
Die unsolidarische und "staatstreue" Haltung vieler Demonstrationsteilnehmenden, zeigte sich kurz darauf auch wieder, als einige Menschen von der Polizei beschuldigt wurden Kleber auf Jäger*innen-Autos zu kleben und die Polizei versuchten sie zu kontrollieren und dazu zu zwingen die Kleber wieder zu entfernen. Anstatt sich zu solidarisieren und einander zu helfen, wurde über das Megafon von Demonstrationsteilnehmenden verkündet, dass das Anbringen von Stickers an Autos und allgemein unkonstruktiv sei und dies nicht erwünscht ist an der Demonstration.
Dank der Solidarität innerhalb des revolutionären Blockes, konnten die Menschen zurück in die Demo, ohne kontrolliert zu werden. Ich habe jedoch gehört, dass im Anschluss an die Demonstration trotzdem noch einige Menschen von Polizist*innen in Vollmontur mit Gummigeschossgewehren kontrolliert wurden.
Diese Demonstration war weder kämpferisch, noch emanzipatorisch. Proteste, welche wie dieser nur für Tierschutz einstehen, gehen zu wenig weit und lassen die strukturelle Unterdrückung vom Menschen gegenüber den nicht menschlichen Tieren, aber auch gegenüber der menschlichen Tieren unthematisiert. Tierausbeutung ist eine Form der Herrschaft, aber bei weitem nicht die einzige. Ohne die Ablehnung aller Herrschaftsformen, wird sich auch nicht die Herrschaft über Tiere auflösen. Um für eine Welt ohne Herrschaft und Ausbeutung zu kämpfen, ist es notwendig auch gegen die Staaten, gegen Rassismus, das Patriarchat und alle anderen Herrschaftsformen anzukämpfen und diese Kämpfe zu verbinden und sich zu unterstützen. Die Polizei ist Teil eines Staates, welcher emanzipatorische, selbstorganisierte und antiautoritäre Bewegungen bekämpfen will und kein Interesse an einer herrschaftsfreien Welt hat, deshalb gilt es auch diese nicht einfach zu tolerieren oder sogar zu unterstützen, sondern sich zu wehren und gemeinsam gegen Repression vorzugehen.
Ich hoffe auf weitere solidarischere Proteste gegen Jäger*innen, Polizist*innen und allen Unterdrückungsformen! Ausserdem fände ich eine Auseinandersetzung zu dieser Thematik spannend.