PNOS Genick brechen? - Bunt gegen Braun

„Ein Baum, ein Strick, ein PNOS-Genick!“ - Dieser Spruch wurde an der Bunt gegen Braun Demo am 1.Dez als Transpi und als Parole wiedergegeben. Natürlich finde ich die PNOS scheisse, doch egal wie scheisse ich sie finde, eine Morddrohung geht für mich zu weit. Ich konnte mich nicht mehr wohl fühlen mit dem Bild eines erhängten Menschen im Kopf und so vielen Menschen um mich herum, die es scheinbar nicht störte hinter einem Plakat mit dieser Aussage darauf, zu stehen und zu gehen. Es fühlte sich für mich an, als wäre der Demozug der Meinung, die PNOS Mitglieder zu ermorden sei etwas gutes. Für mich war das psychisch sehr schwer. Ich habe den Demozug verlassen. Was denkst du darüber?

Ich nehme den Ausspruch „Ein Baum, ein Strick, ein PNOS-Genick!“ als sehr kontraproduktiv auf, weil:

- Er schreckt viele Menschen ab, die dann eine Abneigung gegen die linksautonomen Bewegungen entwickeln. Mir scheint es aber erstrebenswert, sie nicht abzuschrecken, sondern eher ihre Probleme aufzugreifen und aufzuzeigen, dass diese oft durch unseren Staat und den Kapitalismus ausgelöst werden, so dass sie sich vielleicht irgendwann auch dagegen wehren wollen.

- Er spricht gegen eine funktionierende Anarchie. In einer Anarchie sollten wir Probleme lösen können ohne dafür einen Staat zu brauchen und es wäre aus meiner Sicht erstrebenswert dies durch gewaltfreie Kommunikation und Diskussion zu tun. Deshalb finde ich es gefährlich gleich mit Mord zu Drohen, wenn Menschen Scheiss machen. Ich glaube, das dies für Gegner*innen des Anarchismus ein Beweis dafür ist, dass er nicht funktionieren würde, weil sich dann die Menschen dauernd gegenseitig abschlachten würden.

- Es sind entweder leere Worte, oder dumme Worte. Entweder ihr(die Menschen, die das Transpi geschrieben haben, oder unterstützen) sagt, dass ihr die PNOS-Mitglieder umbringen wollt, tut es aber nicht und dann sehe ich wenig Sinn darin es zu sagen. Oder ihr meint es ernst. Wenn ihr also versuchen würdet ein Mitglied der PNOS umzubringen, oder es sogar schaffen würdet, dann würde dies nur einen wachsenden Widerstand gegen Links bedeuten. Nur wegen einem Toten in der PNOS würden nicht plötzlich alle Rechten ihre Meinung ändern. Nein, sie würden eher bestärkt werden darin, das die Linke gefährlich und schlecht sei.

- Sie zeugen von Vereinfachung und Schwarz-weiss-denken. Es werden zwei Fronten gebildet. Wir und die Andern. Wir sollen leben und die Andern sollen sterben. Doch warum sind die Menschen der PNOS so geworden, wie sie sind und was könnte mensch machen, damit es weniger Leute gibt die so denken? Ich bin davon überzeugt, dass Menschen nicht grundsätzlich schlecht oder gut sind, sondern das die herrschenden Systeme viele Menschen zu Unmenschen machen. Um dies zu verändern, sollten wir Alternativen bieten, Auswege, Freiheiten, niederschwelligen Zugang zur linken Szene, Offenheit. So das sich Menschen anhören können, was wir zu sagen haben und verstehen, was unsere Gedanken sind. Nur durch Diskurs erfahren sie überhaupt, was Rassismus, Faschismus und Sexismus in der heutigen Gesellschaft für eine Bedeutung haben und wie mensch Widerstand leisten kann. Leider klärt unsere Bildung die Menschen über solche Themen nämlich nicht auf. Wenn wir uns also damit auseinandersetzen, wäre es doch wichtig dies anderen weiter zu geben, statt ihnen Angst zu machen, denn die Meisten verstehen gar nicht, wo genau die Probleme liegen.

Mein Lösungsvorschlag wären zugänglichere und reflektiertere Transpis, da die Demos ja da sind, um unsere Meinung unter die Leute zu bringen.

Falls Menschen wirklich die Leute der PNOS umbringen wollen, dann können sie natürlich weiterhin solche Transpis tragen, da ich ihnen diese Freiheit nicht nehmen kann oder will. Ich möchte es einfach nicht unterstützen und fände es gut, wenn alle, die dies auch so sehen, sich von solchen Sprüchen distanzieren würden und nicht einfach blind zusehen und trotzdem mitgehen. Auch im Nazionalsozialismus fanden es viele falsch, dass Jüd*innen ermordet werden, doch sie wendeten sich trotzdem nicht von dieser Aussage ab, da sie den Rest der Bewegung gut fanden. Wir sollten das anders machen. Wenn wir nicht wollen, dass Menschen der PNOS umgebracht werden, dann sollten wir unser Wort erheben gegen die, die das fordern. Klar mensch kann sich entscheiden, ob er*sie in die PNOS will, aber nicht ob er*sie jüdisch, queer oder schwarz ist und das ist ein wichtiger Unterschied zwischen rechter und linker Gewalt. Trotzdem will ich einfach mal die Frage aufwerfen, ob ihr wirklich total hinter dieser Morddrohung stehen könnt. Mach dir doch mal Gedanken darüber, wie du dazu stehst.

Es nervt mich, dass ich hier zu einer Aufspaltung der Linken aufrufe, da wir natürlich stärker sind, wenn wir zusammen kämpfen, aber ich habe während dieser Demo einfach gespürt, dass ich diese Bewegung so nicht unterstützen kann. Dauernd hatte ich das Bild von diesen erhängten und sterbenden Menschen im Kopf und es hat mich sehr getroffen. Kein Mensch ist illegal.