Parlamentar*innen mit Gentech füttern, Bio-Gemüse für die anderen!

Rhizom ist eine Anarchistische Flugschrift zur Unterstützung des Kampf gegen Gentechnik und die Welt die sie benötigt

Editorial N°5 : Die Bruchstelle

« Je me place du bon côté pour identifier l’ennemi. » Kabal, Hostile

Die Frage «Gegen wen kämpfen wir?» scheint einfach zu beantworten. Aber wenn wir versuchen, unsere Ziele zu definieren, merken wir, dass die Antwort komplexer ist, als wir uns zuerst vorgestellt haben. Die Chef*innen, Multinationalen, Regierungen und Ordnungskräfte gehören natürlich zu unseren Feind*innen. Aber wie steht es um all die Akteur*innen, die sich nicht klar zuordnen lassen, und um diejenigen, die von der strukturellen Herrschaft profitieren?
Und wenn mensch sich die Frage stellt, mit wem wir kämpfen, wird diese Problematik umso brisanter. Es geht nicht darum, sich um jeden Preis von den anderen abzuheben oder eine Auszeichnung für die grösste Radikalität zu verleihen. Aber wenn Leute an Teilkämpfen teilnehmen und die Interessen ihrer Gesellschaftsschicht oder andere Privilegien verteidigen und dabei anderen Menschen schaden, so konnte schon häufig festgestellt werden, dass ihre Kämpfe ihren Sinn verlieren. Diese Interessen und Privilegien führen zum Ausschluss von gewissen Personen. Daneben verstärken sie die verschiedenen Phänomene, die zur Schwächung des Widerstands und zu seiner Integration ins bestehende System führen. Wir können gemeinsam gegen Monsanto kämpfen.

Irgendwann kommt es aber unausweichlich zum Bruch zwischen denjenigen, die gleichzeitig gegen Monsanto und alle Formen der Herrschaft kämpfen, und den Parteien und Organisationen, die gleichzeitig gegen Monsanto und für einen sozialistischen Staat oder die Green Economy (siehe die Kritik im Rhizom Nr. 3) kämpfen

. Dabei kristallisiert sich dieser Bruch häufig rund um die direkten Aktionen, die nicht politisch verwertet werden können. Wir werden uns weiterhin die Frage stellen, mit wem wir den Umsturz dieser Welt angehen können. Aber es ist klar, dass es niemals ein bestimmtes «revolutionäres Subjekt» geben wird. Der Kampf gegen die Gentechnik muss nicht unbedingt nur von den Menschen getragen werden, die in der Landwirtschaft arbeiten. Denn diese Technologien gehören zu einem weit grösseren Gebilde, das unsere Autonomie unterminiert und alle Aspekte unseres Lebens betrifft. Überall wo ein Durst nach Freiheit besteht, finden wir auch Kompliz*innen.

Die bäuerliche Autonomie befindet sich jedoch speziell im Visier der Agro-Gentechnik und die Unterstützung durch die landwirtschaftlichen Unternehmer*innen, welche die kapitalistischen Prinzipien wie beispielsweise den Produktivismus verinnerlicht haben, ist eine wichtige Bedingung für die Einführung dieser Technologien. Ein perfektes Beispiel dafür ist der Schweizer Bauernverband: Er spricht sich gegen GVO aus, solange die Konsument*innen sie nicht wollen, und hat immer betont, dass er seine Haltung ändern wird, falls er darin einen wirtschaftlichen Vorteil für seine Mitglieder*innen sehen sollte. Diese Zunftmentalität führt dazu, dass mensch im Kampf für eine generelle Emanzipation absolut nicht auf eine solche Organisation zählen kann.

Die Texte in dieser Rhizom-Ausgabe behandeln insbesondere Klassenfragen, inspiriert durch einen Brief, den die Zeitschrift erhalten hat (siehe S. 8-9). Wir möchten betonen, dass wir gerne externe Beiträge publizieren. Der einzige Text, der die Meinung des gesamten Rhizom-Kollektivs widerspiegelt, ist das Editorial. Wir freuen uns, die Rückmeldungen zu lesen, die wir erhalten, und schätzen den
Austausch, die Diskussion und das kollektive Nachdenken, insbesondere um nochmals über unsere Texte nachzudenken und unsere Aussagen zu schärfen.

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