Stay queer, come rebel!

Unter dem Slogan „Vielfalt ist Reichtum“ findet die diesjährige Pride Ouest am 26. August in Bern statt. Gefordert wird unter anderem rechtliche Gleichstellung für alle LGBTI*-Menschen, Adoptionsrecht für LGBTI*-Paare und Verankerung der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt in der Bildung. Reden werden gehalten von der SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga sowie Sicherheitsdirektor und CVP-Stadtrat Reto Nause. Gesponsert wird die Pride unter anderem vom Schweizerhof. Doch was haben der Schweizerhof, Sommaruga und Nause genau mit der Pride zu tun?!

Im Positionspapier der CVP, für die Reto Nause im Stadtrat sitzt, steht ausdrücklich, dass die CVP weder die Ehe für alle noch die Öffnung des Adoptionsrecht für nicht-heterosexuelle Paare wollen. Andere Familienmodelle als die heterosexuelle Kleinfamilie kommen im Positionspapier der selbsternannten Familien-Partei nicht vor. Als Sicherheitsdirektor der Stadt Bern verdrängt Reto Nause auch gerne queere und feministische Zusammenhänge von der Strasse, wie er es mit dem massiven Polizeiaufgebot am trotzdem lautstarken „queer-feministischen Nachtspaziergang“ im April 2017 gezeigt hat.

Simonetta Sommaruga ist die zweite Person, welche an der Pride eine Plattform bekommt. Als Vorsteherin des Schweizer Asylwesens, prägte sie dieses in den letzten Jahren in erster Linie durch Verschärfungen. Wer aufgrund seiner sexuellen Orientierung verfolgt wird und in die Schweiz flieht, hat es nicht leicht, Asyl zu erhalten. Mit der Begründung, sexuelle Orientierung könne im Herkunftsland diskret gelebt werden, waren bis vor kurzem Ausschaffungen in Nationen, die Homosexualität strafrechtlich verfolgen, gängige Praxis. Eine solche Ausschaffung nach Nigeria konnte dank einer mehrjährigen politischen Kampagne und öffentlichem Protest im Jahr 2014 verhindert werden.

Nicht nur die Redner*innen an dieser Pride sind nicht die, welchen Raum geboten werden sollte. Auch das Geld für die Pride kommt von mehr als fragwürdigen Sponsor*innen: Dazu gehört das Luxushotel Schweizerhof beim Bahnhof Bern. Das Fünfsternehaus (für knapp 500.- gibt es ein Paket-Angebot für die Pride…) gehört dem Staat Katar. Homosexualität ist in Katar verboten, es drohen bis zu fünf Jahre Haft. Was die Motivation der Sponsor*innen wie die der Post oder der Berner Kantonalbank ist, scheint klar zu sein: in der LGBTIQ*-Community auf Kund*innenfang zu gehen.

Wir lehnen es ab, gesponsert von Firmen, die „Pinkwashing“ betreiben, durch die Strassen zu laufen. Gegen die Kommerzialisierung und Entpolitisierung der Pride, gegen die Diskriminierung und für die Freiheit aller nicht-heterosexuellen und nicht-cis-Menschen gehen wir auf die Strasse.
Kommt in Drag, farbig oder wie es euch passt in den roten Finger zur kleinen Schanze, bringt Transparente, Glitzer, Trillerpfeifen und sonstige Lärminstrumente. Wir treffen uns um 15h45 auf der kleinen Schanze.