Welche Funktion haben "Antideutsche" in der revolutionären Linken?

Die Ideologie der Antideutschen ist eine pseudolinke Extremismustheorie mit einer zwischen einer behaupteten "Querfront" stehenden neutralen Mitte, als die sie sich selbst sehen. Dabei wird die konkrete Kritik an der ein halbes Jahrhundert währenden Okkupation Palästinas durch das zionistische Israel mit Antisemitismus gleichgesetzt und mit der "Moralkeule Ausschwitz" totgeschlagen. Pauschal sind alle "Deutschen" bis heute Täter, alle in Israel lebenden Juden "Shoah-Überlebende", und das Land Israel, seinem Kontext realer Politik entkleidet, eben die Zufluchtsstätte der verfolgten Juden. Dabei nehmen sich die Antideutschen, Nachkommen der Tätergeneration, das Recht zu bestimmen, wer Antisemit sei und wer nicht, auch gegenüber Nachkommen von Holocaust-Überlebenden, wenn sich diese selbst kritisch gegenüber dem Staat Israel positionieren (die sogenannten "selbsthassenden Juden"). Diese Ideologie hat nichts Emanzipatorisches, Antifaschistisches oder Revolutionäres, im Gegenteil, sie ist reaktionär und rassistisch.

Es handelt sich bei den Antideutschen um eine Sekte im vorgeblich konsequenten Kampf gegen den Antisemitismus, der längst zur Chiffre für alle möglichen tatsächlichen und behaupteten Weltübel geworden ist. Diese Sekte ist bemüht, insbesondere jede Thematisierung der real existierenden Unterdrückung der palästinensischen Bevölkerung zu tabuisieren. Die jüdischen Menschen werden als homogene Masse betrachtet, wie sie dies bei Antisemiten vermuten, nur unter positiven Vorzeichen. Sie lassen außer Acht, dass nicht alle Juden Zionisten, nicht alle Zionisten Israelis, und nicht alle Israelis Juden sind (Moshe Zuckermann).

Durch die bedingungslose Identifikation mit dem Staat Israel (und mit den USA) glaubt diese Sekte sich ein für allemal auf der sicheren Seite der Geschichte, unangreifbar für Schuldgefühle aufgrund der unfassbaren Verbrechen des Holocausts. Was sie in ihrer Hybris nicht realisiert, ist, dass es nichts gibt, dass diese Verbrechen wieder gutmachen kann. Sie hat nicht das historische Wesen von Tätern im Stande ihres Täter-Seins und von Opfern im Stande ihres Opfer-Seins erfasst.

Wenn Israelkritiker als Antisemiten apostrophiert werden, wird ein Israel in Schutz genommen, welches die systematische Unterdrückung eines anderen Volkes betreibt, eine Unterdrückung, die Israel zum Täter werden lässt, mag es sich noch so sehr selbstviktimisierend als Opfer darstellen. Wer das nicht sieht, nämlich dass Israel sich einer Praxis verschrieben hat, die zwangsläufig immer mehr Opfer hervorbringt, begeht Verrat an den Opfern Israels, und insofern er den Oppressor Israel im Namen der historischen Opfer in Schutz nimmt, begeht er Verrat an den historischen Opfern!

Antideutsche unterstellen Israelkritikern, sie befürworteten einen "Vernichtungswillen" gegenüber "den Juden" und insbesondere dem israelischen Staat und greifen selbst zu Mitteln der Intrige und Erpressung sowie roher Gewalt, wenn es gilt, israelkritische Stimmen einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen und deren Veranstaltungen zu verhindern, in denen die unter der brutalen israelischen Militärbesatzung lebenden PalästinenserInnen und die Tausende von politischen Gefangenen, darunter Hunderte von Kindern, vorkommen !

Wir möchten zurückfragen: Welche Funktion haben die Antideutschen in jenem Teil der Gesellschaft, der eine radikale sozialrevolutionäre Perspektive teilt? Sie arbeiten fleißig am immer weiter fortschreitenden Zusammenbruch, an der Implosion, der Selbstabschaffung, der Zersplitterung und Spaltung der revolutionären Linken. Auf lange Sicht schwächen die Antideutschen die Bekämpfung des tatsächlichen Antisemitismus im Sinne von Äsops Fabel vom Hirten, der aus Langeweile "Alarm! Der Wolf, der Wolf!" schreit und dem die Dorfbewohner nicht mehr glauben, wenn der Wolf wirklich kommt, welcher daraufhin die ganze Schafherde mitsamt Hirten frisst.

Einer Fürsprecherin dieser rassistischen antideutschen Ideologie, welche mit Vorliebe emanzipatorische Zusammenhänge infiltriert, wie Jutta Ditfurth, sollte bei dieser Veranstaltung, wenn sie denn schon, aus welchen Gründen auch immer, eingeladen wurde, vernünftig auf den Zahn gefühlt werden...

Literaturhinweise:
Abraham Melzer: Die Antisemitenmacher - Wie die neue Rechte Kritik an der Politik Israels verhindert - Westend Verlag Frankfurt/Main 2017
Moshe Zuckermann: "Antisemit!" - Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument - Promedia Verlag Wien 2014
Moshe Zuckerman: Der allgegenwärtige Antisemit oder Die Angst der Deutschen vor der VergangenheitWestend Verlag Frankfurt/Main 2018
Gerhard Hanloser (Hg.): "Sie warn die Antideutschesten der deutschen Linken" - Zu Geschichte, Kritik und Zukunft antideutscher Politik - Unrast Verlag 2004

P.S.

Das Kollektiv barrikade.info empfiehlt die Nutzung des Gender*sternchens. In der Dominanz der männlichen grammatikalischen Form über die weibliche sehen wir einen latenten Sexismus, der sich in der Sprache manifestiert. Durch das Stern*chen entsteht Platz für alle Gender.