ZAD verteidigen - zusammen steh’n!

Nach einem kurzen Aufenthalt in der ZAD wollen wir unsere Erfahrungen und Eindrücke teilen. Dieser Text ergänzt jenen vom 19.4.18. "Praktische Infos für die nächsten Tage auf der ZAD"

Aktuelle Situation betreffend weiterer Räumungen vom 14.5.2018

Die Militärbesetzung der ZAD geht weiter. Jeden Tag sind, wenn auch nicht offensiv, hunderte Gendarme auf den Verkehrsachsen, die die ZAD durchqueren, präsent. Sie kommen Morgens früh und verlassen die ZAD Abends spät. Räumungen finden derzeit aber keine statt. Ganz sichere Daten für einen kommenden grösseren und offensiven Militär-/Polizeieinsatz gibt es nicht. Am 25. April wurde von offizieller Seite aber klar kommuniziert, dass es bis zum 14. Mai 2018 keine illegalen Bauten/Projekte in der ZAD mehr geben solle. Mit anderen Worten: Zumindest jene knapp dutzend Gruppen/Projekte, die keine Genehmigungsgesuche eingereicht haben, werden um dieses Datum herum akut räumungsbedroht sein, eventuell aber auch noch weitere.

Entweder, so der Diskurs von offizieller Seite, man hat sich bis dahin auf eine Form der Bewilligung geeinigt, oder eben nicht. Ein Grossteil der Projekte ist momentan dabei, diesem Druck mit der Eingabe von Projektideen zu antworten. Die Versammlung der Nutzungsformen - "l’assemblée générale des usages" - wurde bereits während längerer Zeit und lange bevor das Flughafenbauprojekt abgesagt wurde in einem längeren Konsensprozess erarbeitet. Darin wurde und wird versucht, der vom Staat geforderten individuellen Antragsform gerecht zu werden und trotzdem darauf zu beharren, kollektiv für die ganze ZAD eine Art rechtlichen Rahmen zu erhalten - oder zumindest Zeit zu gewinnen. Deshalb erhielt diese Strategie den Namen "Barricade des Papiers". Die Auseinandersetzungen rund um diese möglichen Wege ist unter den BesetzerInnen und ihren UnterstützerInnen umstritten, dazu kommen wir aber gleich noch etwas ausführlicher.

Es könnte also durchaus sein, dass es am 14. Mai wieder zu Räumungen kommt. Präsenz und Unterstützung auf der ZAD sind explizit erwünscht, die Formen der Präsenz und des Widerstands werden wohl bewusst offen gelassen. Wir raten jedenfalls dazu, schon einige Tage vorher dahin zu reisen, um etwas Zeit zu haben, sich dort sowohl geographisch als auch politisch orientieren zu können. Weil sich momentan aber fast täglich die Lage ändern kann, raten wir auch, via Internet Radio Klaxon zu hören (auf zad.nadir.org). Da kommen zwischendurch immer wieder aktuelle Informationen.

Diversität der Strategien / "diversité de stratégies" - aktueller politischer Kontext innerhalb der ZAD

Spätestens bei der Ankunft in der ZAD wird man auf die eine oder andere Weise mit den dort geführten internen Konflikten in Berührung kommen. Diese Konflikte sind alt, sie werden inzwischen aber zum Teil so heftig und polarisiert ausgetragen, dass Aussenstehende und sich Solidarisierende sich auf der einen oder anderen Seite wiederfinden können, ohne den gesamten Kontext zu verstehen. Trotz des allgemeinen Bewusstseins, dass es sich dabei um eine Strategie des Staates handelt, die Bewegung in der ZAD und ihre UnterstützerInnen zu spalten, sind Gräben und Abgrenzungen unter und zwischen den verschiedenen Gruppen spürbar. Dies werdet Ihr merken, sobald Ihr ausgedruckte Communiqués lest oder mit den Menschen vor Ort sprecht. Zum Teil entsprechen diese Spaltungslinien auch den Unterschieden zwischen bereits geräumten und ev. noch zu räumenden Bewohner_innen. Wo die "Diversität der Strategien" über die letzen Jahre gerühmt wurde - alle verteidigen die Strategien aller um so gemeinsam und ungespaltet die als Ganzes ZAD zu verteidigen -, scheint sie heute Spaltungen zu schaffen. Trotzdem - oder jetzt erst recht - rufen wir zur Verteidigung der ZAD auf.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Wir waren bei Weitem nicht lange genug vor Ort, um die komplexen verschiedenen Konfliktlinien und Diskussionen bzw. die unterschiedlichen Positionen darin wirklich zu durchschauen. Und, nach längerer Diskussion in unserer Gruppe finden wir es auch nicht nötig, sich als Menschen, die nicht vor Ort leben und die gekommen sind, um solidarisch bei der Verteidigung der ZAD als Ganzes zu helfen, sich auf die Seite einer der Parteien, die ohnehin nicht so klar definierbar sind, zu stellen. Wir möchten mit diesem Artikel also lediglich darauf hinweisen, dass der Staat eine Spaltungstaktik vorantreibt, die reale Konflikte hervorruft. Darauf eine binäre zwei-Parteien-stehen-einander-gegenüber-Anwort zu geben, wäre unserer Ansicht nach falsch.

Wir empfehlen Euch deshalb den Dokumentarfilm, der kurz vor den ersten Räumungen im April online gestellt wurde und jene Stimmen einfangen und wiedergeben möchte, die im allgemeinen Bild nicht einfach zugänglich sind:

"DEMAIN S’ENTÊTE sur la ZAD de Notre Dame des Landes"

Es ist uns wichtig zu betonen, dass es unter den BesetzerInnen weiterhin einen Konsens für die Selbstverteidigung (inklusive Militanz und Barrikaden) der ZAD gibt. Immer noch bauen Leute täglich Barrikaden auf (neue und alte) und täglich stellen sich Menschen der Gendarmerie entgegen, damit diese sich nicht einfach frei auf dem Gelände bewegen können. Auch wenn es manchmal anders dargestellt wird, wird dies von niemandem grundsätzlich in Frage gestellt.

Wir hielten es für wichtig, die interne Situation wenn auch nur ansatzweise zu umreissen, da sie für aussenstehende Personen zu einem Gefühl der Überforderung führen kann. Mensch muss sich bewusst sein, dass, je nachdem wo du Dein Zelt aufschlägst, ev. mit Positionen in Verbindung gebracht wirst, welche eine ganz bestimmte Perspektive auf die Geschehnisse haben. Wir rufen deshalb dazu auf, sich mit den verschiedenen Perspektiven auseinanderzusetzen, mit Menschen zu sprechen und trotzdem noch Energie und Raum für die effektive Verteidigung der ZAD mitzubringen. Wir wollen in diesem Zermürbungsprozess niemanden alleine lassen und die ZAD als autonome Zone verteidigen!

Wo übernachten eigentlich all diese Gendarme?

Praktisches

Ergänzungen zum Artikel vom 19.4.18 "Praktische Infos für die nächsten Tage auf der ZAD"

Mitnehmen und Vorbereitung:

- Helm kann nicht schaden (fehlt im Artikel vom 19.4.18)
- studiert die Karte der ZAD: https://zad.nadir.org/IMG/pdf/zad_carte_a3_05_avril_2018_final.pdf
- hört Radio Klaxon auf dem Weg dorthin

Verhaftungen und Identität:

Die Frage der Ausweispapiere: Auf sich tragen oder verstecken? vorzeigen oder nicht? Die "ZADistes" verteidigen die Strategie, papierlos auf dem Gelände unterwegs zu sein. Ausweise und Telephone können gut vor Ort vergraben werden. Es gibt Pros und Contras dieser Strategie. Lest die englische Antirep-Broschüre und entscheidet, was Euch besser passt.
https://zad.nadir.org/spip.php?article188 und französisch https://zad.nadir.org/spip.php?rubrique56&lang=fr

Anreise und Militär-/Polizeipräsenz:

Unterschätzt die Anreise nicht. Es gibt unvorhersehbare Strassenkontrollen auf kleinen Nebenstrassen, wenn Hauptachsen offen gelassen werden. Mit ausländischem Nummernschild gibts definitiv Ausweiskontrolle, Durchsuchung des Fahrzeugs nicht unbedingt, aber ausschliessen lässt sichs auch nicht. Radio hören vor der Ankunft hilft, aber eine Sicherheit gibt es nicht. Kontrollpunkte sind meist während eines Tages statisch.
Allgemein kommen Bullen täglich Morgens irgendwann zwischen 6am und 10am und besetzen die D81 und die D281. z.T. stehen sie inzwischen auch auf Feldern, jedoch lassen sie sich oft umgehen. (Feldstecher sind ganz praktisch).

Anliegen und Info aus dem inneren der ZAD:

- Notfall- oder Sani-Nummern nicht einfach für Infos anrufen
- unbedingt die Kontrollposten melden
- Neben bestehenden Anlaufpunkten in La Wardine (Vokü, Zeltcamp), Bellevue und la Rolandière (Teeküche, Bibliothek) wird es höchstwahrscheinlich in den kommenden Tagen einen weiteren Info-/Koordinationsort geben, und zwar in der intergalaktische Ambazada, gleich nach der Kreuzung "La Saulce" Richtung La Wardine.

P.S.

„Das Kollektiv barrikade.info empfiehlt die Nutzung des Gender*sternchens. In der Dominanz der männlichen grammatikalischen Form über die weibliche sehen wir einen latenten Sexismus, der sich in der Sprache manifestiert. Durch das Stern*chen entsteht Platz für alle Gender.”