Zurück in die Zukunft: Geschichte der schweizer Tierbefreiungsaktionen 1990-1999

In den letzten Monaten und Jahren gab es in der Schweiz vermehrt militante Aktionen der Tierbefreiungsfront (Animal Liberation Front). Diese Aktionen sind nicht neu, sie sind auch nicht das Ergebnis der aktuellen hipsterigen, unpolitischen Vegan-Welle. Sie haben in der schweiz eine Jahrzehnte alte Geschichte.

Um diese zu illustrieren, Wissen und Erfahrungen weiterzugeben und insbesondere die Kreativität der heutigen militanten Tierbefreiungsbewegung zu fördern und alle Lesenden zu atemberaubenden direkten Aktionen zu inspirieren, haben wir eine Chronik der Tierbefreiungsaktionen in der schweiz zusammengestellt.

Einleitung und Quellen

Dies ist der Chronik erster Teil: Eine Dokumentation von Aktionen in den 1990er Jahren. In den kommenden Monaten folgt ein Bericht der 2000er Jahre sowie eine Chronik welche die Aktionen von 2010 bis heute zusammenfasst. Natürlich erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Grundlage dieses Bericht ist einerseits das Magazin „Tierschutz Nachrichten“, herausgegeben von der SVV (Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus, heute Swissveg) und vom VGT (Verein gegen Tierfabriken), und andererseits das Magazin „Tierschutz Schweiz“, herausgegeben vom VGT. Beide stammen aus den 1990er Jahren. In den Magazinen wurden die zitierten Communiqués anonym oder mit „Tierbefreiungsfront“ gezeichnet publiziert.

Es ist nicht unproblematisch, die genannten Quellen zu verwenden: Hauptredaktor der damaligen Tierschutz Nachrichten und bis heute Präsident des VGT ist E. Kessler, ein verurteilter Antisemit, der diejenigen, die ihn dafür kritisierten und kritisieren, mit zig Gerichtsverfahren zum Schweigen bringen und die Tierrechtsbewegung in der schweiz zu lähmen und zu spalten versucht. Unseres Wissens sind diese Magazine aber leider die einzigen verfügbaren Dokumente zur schweizer Tierbefreiungsbewegung der 1990er Jahren.

Auch wenn die einzelnen Communiqués und Aktionen isoliert dazustehen scheinen: Für uns gehören sie in einen grösseren Zusammenhang, sie sind Zeugnis einer fundamentalen Kritik von allen Herrschaftsverhältnissen. Unser Anliegen ist es, in zukünftigen Aktionen vermehrt und explizit Kämpfe zu verbinden – für die Befreiung von Menschen und allen Tieren von Kontrolle, Unterdrückung und Ausbeutung.

Communiqués

Mastrinder befreit, Strickhof ZH
In der Nacht auf Donnerstag, den 7. Oktober 1993 hat die Tierbefreiungsfront an der Zürcher Landwirtschaftschule Strickhof die Mastrinder befreit, das heisst sie zum ersten Mal in ihrem Leben ins Freie gelassen.
Quelle: 5. Nov. 1993

Warn-Aktion der Tierbefreiungsfront in Tufertschwil SG
In der Nacht vom 29. auf den 30. November 1993 hat die Tierberfreiungsfront einen landwirtschaftlichen „Schaubetrieb", in dem Schweine auf nacktem Beton und säugende Mutterschweine in Kastenständen gehalt werden, mit roter Farbe mit „Tierquäler“ beschriftet.
Quelle: Februar 1994

Kaninchen-Gefängnis in Frauenfeld demontiert
Im Frühjahr 1993 hat die Tierbefreiungsfront zu Notrechtsmassnahmen gegriffen und über Ostern ein Kaninchen-Gefängnis im Garten des Naturhistorischen Museums Frauenfeld demontiert und abtransporiert, um auf die Problematik dieser Kanichenhaltung aufmerksam zu machen.
Quelle: Juni 1993 (Nr 1)

Tierbefreiungsaktion
Psychiatrische Klinik Hohenegg, Meilen 1993: Im Sinne einer Protestaktion öffnete die Tierbefreiungsfront in der Nacht auf den 11. Mai den Maststall und liess die Rinder erstmals in ihrem Leben auf die Weide. Bis dahin mussten die Rinder auf Vollspaltenböden, zum Teil im Halbdunkeln, dahinvegetieren. Auf der Zufahrtsstrasse zur Klinik wurde „Tierfabrik“ hingemalt.
Quelle: Juni 1993 (Nr 1)

Kaninchenbefreiung in Bern
In der Nacht vom 3. auf den 4. Juli 1994 hat die Tierbefreiungsfront (TBF) eine grosse Anzahl Kaninchen aus tierquälerischen Kasten-Ställen bei der Ziegelei an der Rehhagstrasse in Bern befreit.
Quelle: 9. September 1994 (Nr 9)

"Lieber WC verstopfen als Gänse stopfen"
Unter dem Motto "Lieber WC verstopfen als Gänse stopfen" hat die Tierbefreiungsfront (TBF) am Samstag, den 3. September 1994 in den folgenden Lokalen, die immer noch Gänse- und Entenstopflebern (foie gras) anbieten, die WCs verstopft: Restaurant Sternen in 2576 Lüscherz, Hotel Viktoria Eden in 3715 Adelboden, Waldhotel Dolderhorn in 3718 Kandersteg, Restaurant Leimbach im Holee in 4102 Binningen, Restaurant Martin in 4112 Flüh, Vordere Klus in 4147 Aesch, Hotel Monopol in 6003 Luzern, Schlosshotel Suisse Chalet in 6402 Merlischachen, Witschi’s Restaurant & Bar in 8103 Unterengstringen, Restaurant Winzerhaus in 8104 Weiningen, Hotel Weinhalde in 8645 Jona, Hotel Schwert in 8752 Näfels. 
Die TBF kündigte an, dass die WCs von unbelehrbaren Restaurants das nächste mal nicht mehr mit Papier, sondern - nachhaltiger - mit Zement verstopft werden.
In den verstopften WCs wurden Kleber hinterlassen mit dem Text "Lieber WC verstopfen als Gänsestopfen. Dieses Lokal verkauft Gänsestopflebern und unterstützt damit schwerste Tierquälerei." 
Quelle: http://www.vgt.ch/news_bis2001/010508.htm

Neue WC-Stopf- und Tierbefreiungs-Aktionen
Über das Wochenende vom 12./13. November 1994 machte die Tierbefreiungsfront (TBF) mit einer neuen Aktions-Serie auf anhaltende Tierschutzprobleme aufmerksam: Am Freitag wurden im Restaurant "Schwedenschenke" auf der Insel Mainau, Bodensee, die WCs verstopft. Am Samstag-Abend verstopften mehrere Einsatztrupps der TBF auf dem Flughafen Zürich im Terminal A in Begleitung eines deutschen Fernseh-Teams sämtliche ca 40 Toiletten – als Protest dagegen, dass die Swissair erneut Gänsestopflebern serviert. Es wurden Hinweis-Kleber angebracht mit dem Text: "Lieber WCs verstopfen als Gänse stopfen!".
Am Sonntag-Mittag wurde eine WC-Stopf-Aktion im Gourmand-Restaurant "Krone" in Sihlbrugg ZH durchgeführt. Anschliessend kam es zur Verhaftung des deutschen TV-Teams, welches die TBF begleitet hat.
Quelle: Dezember 1994 (Nr 10)

Aktion gegen das SRK
Am Sonntag, den 10. Juli 1994, in der Nacht auf den Montag, hat die Tierbefreiungsfront einen Farbanschlag auf den Hauptsitz des Schweizerischen Roten Kreuzes SRK an der Rainmattstrasse in Bern verübt. Mit mehreren vor den Eingang geleerten Kübeln "Blut“ (roter Farbe) wurde gegen die grausame Versuchstierhaltung des Roten Kreuzes protestiert.
Quelle: Oktober 1994 (Nr 10)

Tierberfreiungsaktion gegen PTT-Generaldirektion
Am 16. August hat die TBF eine Aktion gegen das Postdepartement der PTT-Generaldirektion in Bern durchgeführt: durch das Verschütten einer Flüssigkeit wurde ein nachhaltig wirkender, kaum entfernbarer penetrant-ekelhafter Gestank verbreitet. Der Bürobetrieb dürfte dadurch für längere Zeit empfindlich gestört sein. Grund der Aktion: Abklärungen haben bestätigt, dass Postpakete mit lebenden Tieren die postempfangende Person oft tagelang nicht erreichen. Die in den herumgeworfenen Paketen in Todesangst versetzten Tiere werden so auch noch Durst und Hunger ausgesetzt.
Quelle: Oktober 1994 (Nr 10)

Aktion der Tierbefreiungsfront in Embrach
In der Nacht auf den 12. August hat die Tierbefreiungsfront (TBF) ca 100 Mastschweine von deren 500 aus der Mastanlage von Fritz Leisi in Oberembrach befreit, um gegen die krasse Missachtung des Tierschutzgesetzes durch Tierhalter und Behörden zu protestieren. Die Tiere wurden im Laufe des Morgens vom Besitzer wieder in den Stall zurückgeholt.
Quelle: Oktober 1994 (Nr 10)

Aktionen gegen Pelzträger*innen an der Bahnhofstrasse Zürich 3.3.95
Mit einer penetrant stinkenden Flüssigkeit haben Mitglieder der Tierbefreiungsfront (TBF) am 3. März 1995 die Pelze von fünfzehn pelztragenden Personen an der Bahnhofstrasse in Zürich bespritzt. Die Flüssigkeit ist nicht entfernbar und macht die damit verschmutzten Kleider unbrauchbar. Angegriffen wurden insbesondere auch Trägerinnen von Pelzkrägen - gegen diese neue Mode richtete sich die Aktion ganz besonders. Solche Aktionen werden im kommenden Winter vermehrt durchgeführt, nachdem der Test erfolgreich verlaufen ist.
Quelle: 1995 (Nr 5)

Grossaktion der Tierbefreiungsfront
Freitag, 10. März 1995: Kurz vor Mittag hat die TBF in Bern, Zürich und Winterthur eine Blitzaktion durchgeführt. In den folgenden Migros-Filialen wurden die Verkaufsgestelle mit italienischem Salami, Mortadella und Parmaschinken mit einer Stinkflüssigkeit unbrauchbar gemacht: Von Werd Passage, Bern - Marktgasse, Bern - Neuwiese, Winterthur - Altstetten, Zürich City-Löwenstr, Zürich - Limmatplatz, Zürich - Braunau, Zürich Damit reagierte die TBF auf die in der letzten Kassensturzsendung gezeigten grauenhaften Tierquälereien, welche hinter diesen Produkten stehen. Die TBF hat sich auf Migros-Filialen konzentriert, weil die Migros im Brückenbauer die Konsument*innen gezielt falsch über die Herkunft dieser Produkte informiert.
Quelle: http://www.vegetarismus.ch/archiv/tak.htm

TBF-Aktion gegen Kloster Fahr
Am Sonntag, den 16. Juli 1995 führte der "Aargauische Christliche Bauernbund" eine Wallfahrt ins Kloster Fahr durch. Zu diesem Anlass hat die Tierbefreiungsfront (TBF) am Vorabend in der Klosterkirche Fahr eine penetrant nach Gekotztem stinkende Flüssigkeit versprüht. Der Gestank sollte den Aargauischen Christlichen Tierquäler-Bund sowie Pater Probst und seine Nonnen beim Gottesdienstbesuch daran erinnern, dass die anhaltende klösterliche Tiermisshandlung zum Kotzen ist!
Quelle: November 1995 (Nr 8)

TBF befreite Forellen aus Restaurant
In der Nacht vom 26. auf den 27. März 1996 befreite die Tierbefreiungsfront (TBF) über ein Dutzend Forellen aus dem viel zu kleinen Fisch-Behälter des Restaurants Goldenberg in Winterthur. Der Fischbehälter wurde unbrauchbar gemacht und die Forellen in einen Fluss freigesetzt.
Quelle: Juli/August 1996 (Nr 4)

Zwei Treibjagdstörungen im November 1999 im Kanton Aargau
Rund zwei Dutzend Tierschützer*innen aus verschiedenen Regionen aus der Schweiz haben im November 1999 eine Treibjagd in Hirschthal Aargau behindert. Die Treibjagd konnte nicht stattfinden, da die Tierschützer*innen den Jagenden, als die Jagd beginnen sollte, auf dem Fuss folgten und so die Jagd störten. 2 Wochen später wurde die Störaktion nochmals am gleichen Ort durchgeführt, leider wurde diesmal Jagd nicht gänzlich abgeblasen.
Quelle: Zofinger Tagblatt 15. Februar (Region Aarau), Aargauer Zeitung 13. Februar 2001 (Aargau)

Grosse Kaninchenbefreiungs-Aktion in Pfungen
In einem Gartenhäuschen ganz hinten an der Wieshofstrasse in Pfungen (Kanton ZH) hielt Kaninchenmäster Horst Odermatt 41 Kaninchen in tierquälerischer Kastenhaltung. In der Nacht vom Samstag auf den Sonntag 7. Juli 2003 sind alle von Tierschützer*innen befreit und in einem Naturschutzgebiet ausgesetzt worden.
Quelle: https://www.vgt.ch/vn/0401/kaninchen-pfungen.htm